Berlin - Es war schon ein kleines Highlight, als im vergangenen August die Band Milky Chance im Marienpark spielte. 900 Besucher saßen auf zahlreichen ausgebreiteten Picknickdecken. Manche hatten sich Proviant mitgebracht, auf den markierten Plätzen wurde getratscht und getanzt. Trotz Hygiene- und Abstandsregeln herrschte für eine Weile so etwas wie Normalität. Festivalstimmung im Schatten der Pandemie.

Auch Johanna Ohrt von der Konzertagentur Landstreicher erinnert sich noch gut an die Veranstaltung. Im letzten Jahr hatte die Geschäftsführerin acht solcher Picknick-Konzerte in Berlin organisiert und damit einige der wenigen großen Events in der Region veranstaltet. Getestet wurde das Modell vorab in Köln und Münster. „Dort wurden zwischen zwei und vier Wochenenden Shows gespielt“, erzählt Ohrt, „und die Besucher haben das Konzept trotz der ganzen Auflagen total gut angenommen.“

Die Open-Airs erzielen für die Konzertagentur Landstreicher keinen Gewinn, dazu dürfen zu wenige Zuschauer kommen. Doch betont Ohrt, dass es für sie, ihre Mitarbeiter, die Dienstleister, die sie beauftragen, sowie die Besucher wenigstens ein kleiner Lichtblick war. Und so einen will sie in diesem Jahr ebenfalls geben.

Picknick-Konzerte mit Mine, Milliarden und Campino

Neben Berlin finden erneut in Köln und Münster Picknick-Konzerte statt. Aber auch Dresden, Erfurt und Leipzig machen mit. Insgesamt sind es 139 Konzerte auf 14 Städte verteilt. Für die Hauptstadt hat Ohrt 14 Acts gebucht, einige treten sogar zweimal auf. Unter anderem ist die Sängerin Mine (7.8.) angekündigt, Tote-Hosen-Frontmann Campino (12.8.), die Berliner Band Milliarden (14.8.) sowie das österreichische DJ-Duo Kruder und Dorfmeister (29.8.). „In Berlin bekommt man als Veranstalter nur 18 mögliche Genehmigungen für störende Ereignisse in einem Bezirk“, erklärt Ohrt, „dementsprechend haben wir gebucht und verteilt.“

Sollten sich die Corona-Maßnahmen lockern, kann Ohrt theoretisch die aktuelle Zuschauerzahl von 900 hochschrauben. Doch im Marienpark hätte sie nicht allzu viel Platz. „Das geht also nur, wenn wir die Picknickdecken näher zusammenlegen dürfen.“

Mindestabstände mit Gegenständen kenntlich zu machen und Bands unter freiem Himmel performen zu lassen – diese Idee hatten 2020 ein paar Veranstalter. Während bei manchen Konzerten Vierecke auf dem Boden gemalt, Stühle aufgestellt oder Tribünen platziert wurden, gab es in Mönchengladbach eine Open-Air-Reihe mit Strandkörben. Das lief so gut, dass es nicht nur mit einem Preis vom deutschen Tourismusverband ausgezeichnet wurde, sondern dieses Jahr bundesweit expandiert.

Im Strandkorb mit Jan Delay und Katharine Mehrling

Hierzulande kümmert sich der Konzertveranstalter RBK Fusion mit seinem Geschäftsführer Jobst Neermann darum. Rund 1000 Strandkörbe wurden gekauft, die vom 13. August bis 26. September auf der Rennbahn Hoppegarten verteilt und mit Desinfektionsmittel und Kühlboxen ausstattet werden. Stehen werden sie auf einer der Tribünen sowie auf vier „Inseln“, die auf dem Rasen davor liegen. Neermann nennt sie unter anderem Borkum oder Mallorca. Die jeweiligen Inselbesucher haben eigene Eingangsbereiche und können mithilfe einer App im Strandkorb Getränke bestellen. Zum einen will er so Abstände wahren, zum anderen kann er damit mögliche Infektionsketten schneller nachverfolgen.

Anders als Ohrt im Marienpark hat Neermann auf der Rennbahn Hoppegarten aber auch mehr Möglichkeiten. Er rechnet aktuell etwa mit bis zu 2500 Besuchern pro Event, je nach Pandemielage kann er die Zahl anpassen. In Abstimmung mit der Gemeinde Hoppegarten und den Behörden sind bisher 21 Veranstaltungen geplant, angesagt sind beispielsweise der Singer-Songwriter Philipp Poisel (13.8.), Musiker Jan Delay (27.8.) sowie die Band Element of Crime (28.8.), Sängerin Katharine Mehrling (12.9.) und Komiker Helge Schneider (17.9.) .

Für Neermann sind es seit letztem März die ersten Events, die er wieder in Berlin-Brandenburg veranstalten kann – 350 Konzerte musste er 2020 für Deutschland und Europa absagen, 25 Tourneen verschieben. „Ohne eine staatliche Förderung und Sponsoren wäre das Strandkorb-Festival in diesem Jahr gar nicht möglich“, sagt er. 

Trotz der aktuellen Gegebenheiten und dem Mehraufwand sehen jedoch weder Ohrt noch Neermann ihre Konzepte als reines Pandemie-Ereignis. Beide wollen auch nach Corona ihre Besucher auf Picknickdecken oder in Strandkörbe einladen. Mal sehen, ob das im voraussichtlich mit Nachholterminen vollgepackten Konzertsommer 2022 möglich sein wird.

Infos, Tickets und Programmpunkte der Veranstaltungsreihen finden sich unter: www.picknick-konzerte.de und www.strandkorb-openair.de