Knapp zwei Wochen nach Beginn des Krieges reagierte Roger Waters, der frühere Kopf der Megastar-Band Pink Floyd, unter dem Titel „Ukraine“ mit einem Video auf das Geschehen. Es enthielt die Antwort auf einen Brief von Alina, einer Verehrerin, die Waters um eine Einschätzung und Unterstützung bat, während sie im Bombenhagel ausharrte und noch die Hoffnung hegte, dass der Krieg bald gestoppt werden könnte.

Roger Waters antwortete musikalisch und schriftlich. Er drückte Alina sein Mitgefühl aus, verstieg sich dann aber zu einer ideologischen Suada, in der er Putin einen Gangster nannte. Die eigentlichen Gangster aber, fuhr Waters fort, hocken in Washington etc.

Allen Ernstes warf der politisch umtriebige Rockstar den westlichen Politikern vor, die Mittel der Diplomatie nicht hinreichend ausgeschöpft zu haben. „Ich hoffe, beinahe verzweifelt“, schrieb er Alina, „dass Dein Präsident nicht ebenfalls ein Gangster ist.“ Gemeint ist Präsident Wolodymyr Selenskyj. Man könnte, in Anerkennung seiner popmusikalischen Bedeutung, Roger Waters vorsichtig einen verbohrten linken Weltverbesserer nennen, der immer schon weiß, was die Stunde geschlagen hat und wer die Feinde sind – jenseits der Abwägung aller verfügbaren Fakten.

Eine hymnische Ballade

Dabei wäre es müßig, allzu lange über das eindimensionale Weltbild des Künstlers zu reden, aus dem heraus Waters beispielsweise auch die israelische Boykottbewegung BDS unterstützt. Ach, Roger.

Nun aber musste man unweigerlich an ihn denken, da die Nachricht um die Welt ging, dass sich Pink Floyd nach bald 30 Jahren Trennung wieder vereint haben. Mit „Hey Hey, Rise Up!“ hat die Band soeben ihre erste Single seit 28 Jahren veröffentlicht. Die beiden noch aktiven bzw. lebenden Pink-Floyd-Mitglieder David Gilmour und Nick Mason (Syd Barrett stieg 1968 aus und verstarb 2008, Roger Waters stieg 1985 aus, Rick Wright verstarb 2008) spenden die Erlöse des Songs einem Ukraine-Hilfsfonds. Den Gesang überlässt Gilmour dabei Andriy Khlyvnyuk, Frontmann der ukrainischen Rockband BoomBox. Er legt die Melodie des ukrainischen Protest-Lieds „Oi u luzi chervona kalyna“ über den Instrumentaltrack von Gilmour und Mason.

Es ist eine hymnische Ballade, die mit Bildern des Kriegsgeschehens und des Leids der ukrainischen Bevölkerung unterlegt ist – ein Stück, das Mut machen soll, im bewährten Pink-Floyd-Pathos. Die Wiedervereinigung eines Pop-Mythos aus tragischem Anlass also? Nicht ganz. Roger Waters geht weiter seiner eigenen Wege.