Vielen Dank für die Blumen: Miley Cyrus räumt mit „Flowers“ krass ab

Miley Cyrus erlebt mit ihrem Überhit „Flowers“ ein unfassbares Comeback. Was hat es mit dem Song auf sich? Warum ist er so erfolgreich?

Hat gut lachen: Miley Cyrus räumt ab mit ihrem Song „Flowers“.
Hat gut lachen: Miley Cyrus räumt ab mit ihrem Song „Flowers“.Yui Mok/PA Wire/dpa

Damit hätte Miley Cyrus wohl selbst nicht gerechnet: „Flowers“ blüht zum Überhit auf. Es ist die Vorab-Single ihres sommerheiß erwarteten achten Albums „Endless Summer Vacation“, das am 10. März erscheint. Schon jetzt könnte Miley Cyrus sich ziemlich sicher endless summer vacation, also endlose Sommerferien, gönnen von den Einnahmen. Denn „Flowers“ räumt krass ab: Nachdem der Song in den USA und in Großbritannien auf Platz eins der Charts gestartet war, ist er nun auch in Deutschland an der Spitze angelangt. Hierzulande war er nämlich zuvor „nur“ auf Platz zwei gestartet.

Erwartbar war das nicht, trotz ihres prominenten Namens: In den USA war Miley Cyrus seit 2014 nicht mehr auf Platz eins mit einer Single. In Deutschland sogar noch nie: Hier war ihr größter kommerzieller Erfolg die Abrissbirnen-Power-Ballade „Wrecking Ball“ (2013) auf Platz sechs. Und auch im Streaming-Business hängt „Flowers“ die Messlatte nun absurd hoch. Was ist da nur los?

Der Streaminganbieter Spotify vermeldete, „Flowers“ sei nun schon zum zweiten Mal in Folge der meistgestreamte Song der Woche, mit je über 100 Millionen Klicks. Warum schlägt „Flowers“ ein wie ein wrecking ball? Das Genre des Abservier-Songs ist nicht neu: Schon Gloria Gaynor landete 1978 mit „I Will Survive“ einen Riesenhit – übrigens nachdem der Song zunächst nur als B-Seite einer anderen Single erschienen war, da man wohl das Potenzial von „I Will Survive“ mächtig unterschätzte. Was ihn mit „Flowers“ vereint: Auch hier macht ein starkes weibliches lyrisches Ich ihrem Ex unmissverständlich klar, dass er erst gar nicht mehr anzuklopfen braucht.

Wobei Miley Cyrus (beziehungsweise ihre Co-Songwriter Gregory Aldae Hein und Michael Pollack) dafür durchaus schön originelle Sprachbilder gefunden haben: Mit „I can take myself dancing / and I can hold my own hand“ referiert sie womöglich auch auf Robyns Disco-Knaller „Dancing On My Own“ (2010); trotzdem liegt etwas sehr Tröstendes in dieser Vorstellung, sich selbst die Hand zu halten. Und dann kulminiert dieses Bild auch noch in dem Fazit: „Yeah, I can love me better than you can.“ Ja, ich kann mich besser lieben, als du es vermagst. Wow, touché! Besser kann man den (oder die) Ex ja gar nicht abservieren dorthin, wo der Pfeffer (aber keine schöne flower) wächst.

Wobei zudem gemunkelt wird, dass Miley Cyrus mit ihrem Song schmutzige Wäsche wäscht: „Flowers“ erschien am 12. Januar, dem Geburtstag ihres Ex-Mannes Liam Hemsworth. Zufall? Oder sind diese flowers autobiografisch geerdet, wie wohl kürzlich auch bei Shakira, die in ihrem Hit „Music Sessions #53“ mit ihrem Ex Gerard Piqué abrechnete. Etwas weniger diskret allerdings als Miley.

Das „Diss den Ex“-Genre scheint sich jedenfalls gerade großer Beliebtheit zu erfreuen. Aber auch klanglich erwischt Miley Cyrus viele Nerven: Trocken abgemischter Gesang ist seit Billie Eilish im Trend. Funky Disco-House erfreut sich gerade großer Beliebtheit, nicht zuletzt durch die vielen Samples (bis hin zu Donna Summer), die Beyoncé in ihrem „Renaissance“-Album platziert hat. Dann hat „Flowers“ auch noch eine Duftnote Flamenco, womit Rosalía auch gerade abhebt. Und haben die Streicher-Riffs nicht ein kleines Bisschen was von „I Will Survive“?