Berlin - In der Pandemie sind selbst die einfachen Dinge schwierig. Ein kurzer Anruf bei einem Berliner Konzertveranstalter führte am Montag leider nicht zu der gewünschten Information, ob das für den kommenden Sonntag geplante Berliner Konzert von Xavier Naidoo in der Zitadelle Spandau denn auch stattfinde. Anfragen bitte nur schriftlich, lautete die schroffe Auskunft. Inzwischen ist auf der Homepage des Deutschland-Veranstalters nachzulesen, dass diverse Auftritte der „Hin-und-weg-Open-Air-Tour“ des Künstlers Xavier Naidoo verschoben oder abgesagt sind.

Was in diesem Fall mutmaßlich mit der umstrittenen weltanschaulichen Orientierung Naidoos zu tun haben mag, lässt sich als weiteres Indiz für die schwierige Lage der Musikbranche deuten. Die Sängerin Nena und Universalgenie Helge Schneider haben unlängst ihre Auftritte abgebrochen. Beide haderten, wenn auch auf unterschiedliche Weise, mit den Konzertbedingungen nach Hygieneregeln. Nach über einem Jahr Stillstand befindet sich die Veranstaltungsbranche weiter in einer prekären Situation, die eine Rückkehr zum Normalbetrieb nicht zulässt. Nichts aber benötigen Musiker mehr als einen verlässlichen Konzertbetrieb, der nach dem flächendeckenden Wegbrechen der Tonträgerindustrie die Haupteinnahmequelle für sie geblieben ist.

Soziale Spannungen vor der Showbühne

Zweifellos tut die Sängerin Nena Kerner mit dem schrillen Ausdruck ihrer Verzweiflung sich und ihren Kollegen keinen Gefallen, wenn sie ihren Auftritt zum Skandal geraten lässt, ohne die Hintergründe zu thematisieren. Künstler sind nun einmal keine politischen Sprecher. Das kulturelle Drama jedoch erfährt keine Linderung in Strandkorbkonzerten und anderen fantasievoll ausgedachten Hygienekonzepten. Auch vor den Showbühnen werden gerade soziale Spannungen sichtbar, die gesellschaftlich kaum zu bewältigen sind.