Goodbye to the Killer: Kollegen verabschieden sich von Jerry Lee Lewis

Bob Dylan änderte seine Konzert-Setlist und Keith Richards verabschiedete sich per Twitter von der Musik-Legende Jerry Lee Lewis.

Jerry Lee Lewis (1935–2022)
Jerry Lee Lewis (1935–2022)AP

Wenn es noch eines Beweises für die pophistorische Bedeutung des am Freitag im Alter von 87 Jahren gestorbenen Rock 'n' Rollers Jerry Lee Lewis bedurft hätte, dann lieferte ihn Bob Dylan am selben Abend auf überaus anrührende Weise. Zum Abschluss eines Konzertes in Nottingham ergänzte er seine Setlist um Jerry Lee Lewis’ Stück „I Can’t Seem To Say Goodbye“ und eröffnete den sorgsam in den Sound seines Programms eingefügten Song mit den Worten: „Jerry Lee will live forever – we all know that.“

Das mit der Ewigkeit ist im schnelllebigen Musikgeschäft so eine Sache. Jerry Lee Lewis erlangte mit seinen wilden Rock-'n'-Roll-Shows in den 50er-Jahren einige Berühmtheit, aber schon in den 60er-Jahren, als die Rolling Stones, Beatles und Bob Dylan die Szene beherrschten, erschienen Musiker wie Carl Perkins und Jerry Lee Lewis wie Vorbilder aus einer anderen Zeit. Allein Elvis Presley war es als Jahrhundertfigur vorbehalten, einen generationenübergreifenden Einfluss auszuüben. Jerry Lee Lewis jedoch hatte sie alle mit seinen energetischen Auftritten geprägt. Mit seinen Talenten hauszuhalten, war nicht seine Sache. Er schleuderte sie auf exzessive Weise hinaus und ließ die artige Erscheinung eines Bill Haley als bloße Parodie erscheinen.

Am Piano wie ein Besessener

1935 in einem Dorf in Louisiana geboren, zog es Lewis mit 21 Jahren nach Memphis, wo er zunächst als Barmusiker auftrat und 1956 einen Vertrag beim legendären Label Sun Records erhielt, bei dem auch Elvis, Johnny Cash und Roy Orbison angeheuert hatten. In dem Film „Walk The Line“ erscheint Jerry Lee Lewis als leichtlebig-unangepasster Anführer der Musiker-Szene (gespielt von Waylon Malloy), die nicht zuletzt scharfe Konkurrenzbeziehungen unterhielt.

Von Elvis Presley wird häufig der Satz zitiert: „Wenn ich so gut Klavier spielen könnte wie Jerry Lee Lewis, dann würde ich aufhören zu singen.“ Am Piano agierte Jerry Lee Lewis wie ein Besessener, er traktierte die Tasten mit Händen und Füßen, entwickelte sich in den 60er-Jahren vom reinen Rock 'n' Roller aber zunehmend in Richtung Country, wo er auch die Anerkennung der Genre-Puristen erhielt. Während Hits wie „Whole Lotta Shakin’ Going On“ und „Great Balls Of Fire“ als Dauerbrenner seiner langen Karriere gelten, verlief sein Privatleben kaum weniger turbulent als seine Bühnenschau. Jerry Lee Lewis war sieben Mal verheiratet und hat sechs Kinder. Neben Bob Dylan sendeten auch die Kollegen Elton John, John Fogerty und Eric Burdon letzte Grüße. Der Stones-Gitarrist schrieb kurz auf Twitter: „‚Goodbye to the Killer‘ RIP Keith“.