Doch, er rollt das R, aber nur in den zwei Zeilen, die Till Lindemann auf Deutsch singt. Die Rede ist von dem Chanson mit dem Titel „Le jardin des larmes“, Garten der Tränen, das der 58-Jährige zusammen mit der französischen Sängerin Zaz aufgenommen hat. In Frankreich ist Zaz ein Star, eine Vertreterin des Nouvelle Chanson, in das bei ihr Elemente von Jazz, Gypsy und Pop einfließen, dazu poetische Texte. Ihr Duett mit Till Lindemann ist auf Zaz’ am Freitag veröffentlichen Album „Isa“ erschienen, der Titel ist eine Anspielung auf ihren bürgerlichen Namen Isabelle. Das ist eine Welt, in der man einen wie Lindemann, Frontmann der Band Rammstein, die für ihren maskulin-martialisch anmutenden Sound, ihre mit Gewaltfantasien spielenden Texte bekannt ist, nicht unbedingt vermuten würde.

„Bonjour tristesse“, singt Lindemann, möglicherweise den Titel von Francoise Sagans Roman zitierend. Und dann die beiden auf Französisch: „Jeden Abend betrete ich mit dir diesen kleinen Garten der Tränen“, im Walzerrhythmus, den diese französischste aller Liedformen auch kennt. „Jede Nacht lege ich mein Herz in deine Brust aus Blumen.“ Er singt zart, ja zärtlich, streichelnd, die Stimme seiner Duett-Partnerin stützend, mit deren rauer, rauchiger Stimme harmonierend. Verblüffend, wenn man den teutonischen Gesangsstil kennt, den Lindemann sonst pflegt. Und nein, der Text von „Le jardin des larmes“ ist nicht von Zaz, er ist von Till Lindemann, der zuletzt am diesjährigen Weltkindertag ein Stück mit dem provokanten Titel „Ich hasse Kinder“ veröffentlicht hat.

Wie es zu der Zusammenarbeit kam? Der Zeitung Le Parisien sagte Zaz, sie sei bei einem seiner Konzerte in Paris in seine Garderobe eingeladen worden. Dort habe er allein zu einem ihrer Lieder getanzt, zu „Je veux“. „Ich will Liebe, Freude, gute Laune“, singt Zaz in diesem Chanson. Seitdem seien sie sich einige Male begegnet.

Ein Musikvideo, aufgenommen in Usbekistan, soll es auch geben.