Berlin - Kaum sind die ersten warmen Tage überstanden, schreien Medien- und Musikvertreter ihren Sommerhit raus. Wie immer soll dieser sowohl die noch durstigen Minuten im Biergarten als auch die heißen Stunden am Wasser symbolisieren und viel Boomshakalaka, Saxofonparts und Eis-im-Sonnenschein-Zeilen besitzen. Wenn ich jedoch an ein sommerliches Lied denke, fällt mir sofort „Nana“ und ein Besuch in einem Secondhandshop an der Schönhauser Alle ein. 

Es war März 2020, kurz vor dem ersten Lockdown. Ich bewegte mich an bunten Vintage-Kleidern, alten Schlaghosen und XXL-Sonnenbrillen vorbei. Es war viel zu kalt, um an ein leichtes Outfit zu denken, der Sommer noch viel zu weit weg. Doch die Farben waren so fröhlich und dann war da dieser schlaksige Verkäufer mit diesen tollen Ohrringen... und er sang! 

So muss der Sommer klingen

„Soy dipo komi hua, iua iua e“ – erst da wurde mir bewusst, dass diese Zeilen schon die ganze Zeit im Hintergrund liefen und wirre Synthesizertöne dazu durch die Luft flatternden, als wären es Kolibris auf Costa Rica. Der Verkäufer tanzte ein wenig, und ich musste ihn fragen: „Was ist das?“ – „Polo & Pan“, sagte er. „Musst du hören!“

Ich ging nach Hause, googelte und entdeckte schließlich das französische DJ-Duo, das mit dem gesampelten Stück einer brasilianischen Siebziger-Jahre-Band schon 2016 einen Hit landete. „Gut, keine neue Musik“, dachte ich, aber so leicht, so warm, so beflügelnd muss der Sommer klingen! Und das kann nicht nur mir durch den Kopf gegangen sein.

Vor wenigen Wochen haben Polo & Pan mit „Ani Kuni“ einen Track veröffentlicht, der genau in dieses Schema passt. Diesmal haben sie sich nur von einem indianischen Kinderlied inspirieren lassen: „Ani kuni chaunani / Awawa bikana caina“. Bisschen Pop, bisschen Disco und das Gefühl, dass Polonaise und Eiscreme nie ganz schlecht waren. „Musst du hören!“, will ich meinem Verkäufer vom Prenzlauer Berg sagen. Vermutlich kennt er diesen Sommerhit längst.