Berlin - Giacomo Puccinis „La Fanciulla del West“ („Das Mädchen aus dem goldenen Westen“) ist die unbeliebteste Oper seiner Reifezeit. An der Staatsoper Unter den Linden wurde sie am Sonntag überhaupt zum ersten Mal aufgeführt – und das sogar vor Publikum! Das im kalifornischen Goldgräber-Milieu spielende Stück gilt als inhaltlich schwach und musikalisch sperrig und melodiearm. Die Musik besteht nun aus jenen Passagen, die früher zwischen den Arien standen und immer etwas profillos ausgefallen waren – an ihnen hat Puccini besonders gearbeitet und dafür Beifall ausgerechnet von dem Schönberg-Schüler Anton Webern erhalten, der die in „jedem Takt überraschenden“, „ganz besonderen Klänge“ der Partitur rühmte.

Schönbergs Begriff der „Klangfarbenmelodie“ kommt einem in den Sinn, wenn man „Fanciulla“ von Antonio Pappano dirigiert und von der Staatskapelle Berlin gespielt hört. Puccini hat sowohl den großen, geradezu filmmusikalischen Klang bedient – gleich zu Beginn mit einer riesigen, dissonanten „Vorhang auf!“-Geste – als auch diesen Klang ausgedünnt, mit Dämpfern im Blech oder Flageoletts in den Streichern beschädigt und eigentümliche instrumentale Kombinationen erdacht, um die auf der Opernbühne neuartige Atmosphäre zum Klingen zu bringen.

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