Dirigent Christian Thielemann hat sich differenziert zum Fall seines russischen Kollegen Waleri Gergijew geäußert. „Mir ist bei dieser Diskussion ein bisschen zu viel Häme oft im Spiel“, sagte Thielemann am Mittwoch in Dresden. Gergijew sei ein großartiger Dirigent. „Ich kenne ihn auch persönlich recht gut. Wir haben nie über Politik gesprochen. Aber ich muss sagen, ich bewundere ihn sehr.“ Gergijew sei einer der Kollegen, bei denen er gern ins Konzert gehe.

Gergijew hatte am Dienstag wegen seiner Freundschaft zum russischen Präsidenten Wladimir Putin seinen Job als Chef der Münchner Philharmoniker verloren. Der Russe hatte zuvor ein Ultimatum verstreichen lassen, sich klar vom Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine zu distanzieren. Auch andere Orchester und Konzerthäuser strichen geplante Auftritte von Gergijew.

Thielemann hat nach eigenem Bekunden auch mit dem russischen Opernstar Anna Netrebko ein sehr gutes Verhältnis. Sie hatte alle Auftritte für die kommenden Monate abgesagt. Thielemann sagte, die Entwicklung tue ihm sehr leid, weil die künstlerischen Leistungen von Netrebko und Gergijew unglaublich gut seien. Wenn man diese nicht mehr hören könne, sei das sehr schade: „Mir fehlt bei dieser Diskussion ein bisschen der menschliche Aspekt.“ (dpa)