Wie aus einem steinalten Stück rollen uns die ersten Töne entgegen. Ein wenig New-Orleans-Piano, ein wenig Gospeldemut, eine Menge Southern Soul in der Stimme: Mit „Stay“ setzt Valerie June ihr neues Album auf die Spuren der Geschichte, die sie seit Beginn ihrer musikalischen Karriere erforscht. Man kannte sie unter dem Begriff Roots, den die Sängerin und Gitarristin aus Tennessee auch selbst verwendet – als „organische Mondschein-Roots“ beschreibt sie ihre aus den ländlichen Ecken von Folk, Blues, Country und daraus Folgendem gebaute Musik.

Valerie June Hockett, so ihr ganzer Name, versteht sich meisterlich darauf, die Stile zu bewahren und doch mit respektvoller Eleganz ineinander strömen zu lassen. Diesmal indes belässt sie es nicht dabei, gleichsam horizontal die Traditionen zu fassen. Auf „The Moon and Stars: Prescriptions for Dreamers“ erhebt sie den Blick entschlossen nach oben, fort vom kleinen Format, aber auch fort von der Aura handgemachter Echtheit. „Stay“ bekommt eine „Meditation“ genannte Ambient-Coda angehängt, aus rasselnder Percussion, verschwommen hängender Elektronik und Flöten, bevor sie dem mit Stimmlayern belegten, schlicht melodiösen Soul-Folk von „You and I“ ganz nebenbei afrikanische Polyrhythmik und eine Juju-artige Gitarre unterlegt. Die 39-Jährige lässt dabei die Herkunft der Musik nicht hinter sich, sondern bemächtigt sich der Geschichte mit bezauberndem Eigensinn.

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