Berlin - Aus der musikalischen Landschaft Berlins und nicht nur Berlins war der Vocalconsort Berlin nicht wegzudenken: Der dritte Berliner Profikonzertchor neben Rias-Kammerchor und Rundfunkchor erarbeitete unter wechselnder Leitung hochinteressante Programme, war an der Komischen Oper zur Verstärkung modernen Musiktheaters mehrfach gesetzt, bestritt Auftritte auf internationalen Festivals und hatte durch seine wechselnde Besetzung immer junge Sänger, die zum Stil des Programms passend ausgesucht wurden. Als aber wegen der Pandemie die gesamte musikalische Landschaft Berlins und nicht nur Berlins wegzudenken war, da ging es auch dem Vocalconsort schlecht, weil er anders als die beiden anderen Profichöre keine feste institutionelle Basis hatte.

Umso besser, dass der Vocalconsort als eines von elf freien Ensembles von der senatsgeförderten Initiative „Freie Räume für Freie Szene“ ausgewählt wurde. Am Dienstag traten zehn Sänger unter Leitung von Elina Albach im Kleinen Saal des Konzerthauses auf, die Ticketeinnahmen gingen an das Ensemble. Auf dem Programm standen Werke über Tod und Vergänglichkeit von Johann Hermann Schein und Johann Christoph Bach, gerahmt von zwei frühbarocken Magnificat-Vertonungen, das Deutsche Magnificat von Heinrich Schütz, und das sechsstimmige aus der Marienvesper von Claudio Monteverdi.

Aus dem altbachischen Archiv

Das war allerdings ein schwieriges Schlussstück. Bei manchen Solo-Stellen machten sich gewisse Ermüdungserscheinungen am Ende eines pausenlos durchgesungenen Programms bemerkbar. Ihren vollen Reiz kann diese Mischung aus virtuos konzertanten und mystisch ruhigen Strukturen wohl nur in einem Andachtsraum mit entsprechender Akustik entfalten. In diesem Saal fällt diese Musik trocken zu Boden.

Zumal die wunderbare Cembalistin und Continuo-Spielerin Elina Albach als Chorleiterin den Fokus auf die kompositorische Struktur legt, straffe Tempi und Phrasierungen wählt, die sich von Klang und Bedeutung der Worte nicht rühren lassen. Zuweilen wirkt das atemlos, auch in den Motetten von Schein und Bach, in denen ihr Zugriff prinzipiell besser funktioniert.

Hier kam Albachs gestalterische Fantasie und auch das differenzierte Klangvermögen des Vocalconsorts aufs Schönste zur Geltung: In Scheins „Was betrübst du dich, meine Seele“ entsteht ohne Druck ein vielfarbiges Gemälde ratloser Traurigkeit, eindrucksvoll kulminieren in Bachs „Der Gerechte, ob er gleich stürbe“ die Imitationen im plötzlich homophon herausgestoßenen „bösen Leben“, aus dem gerufen zu werden man wünscht. Und zauberhaft Tempo und Rhythmus in der Aria „Nun ist alles überwunden“: Dieser Melodie aus dem altbachischen Archiv hätte man über zig Strophen zuhören können, geborgen im wiegenden Trost einer endlosen Phrase.

Weitere Termine gibt es unter: www.vocalconsort-berlin.de