Was für ein Theater! Depeche Mode kündigen in Berlin neues Album und Welttournee an

Im Theater am Schiffbauerdamm haben Depeche Mode eine ominöse Pressekonferenz veranstaltet. Es war eine spektakuläre Inszenierung für wenige Neuigkeiten.

Martin Gore (l.) und Dave Gahan von Depeche Mode beim Photocall in Berlin
Martin Gore (l.) und Dave Gahan von Depeche Mode beim Photocall in BerlinEmmanuele Contini

Depeche Mode lieben Berlin. Und Berlin liebt Depeche Mode. Jenseits aller Moden, dafür konsequent seit etwa 1984, als Depeche Mode einen Teil ihrer Platte „Some Great Reward“ in den legendären Hansa-Studios aufnahmen. 1988 spielten sie dann auch in Ost-Berlin, in der Werner-Seelenbinder-Halle. Viele West-Bands durften das zu der Zeit ja nicht. Klar, Depeche Mode sind weltberühmt. Aber nirgendwo rasten die Fans so sehr für die Band aus wie hier in Deutschland, wo die Briten ihre meisten Hits gelandet haben. Insofern: Es ergibt Sinn, dass Depeche Mode sich Berlin als Schauplatz für eine mysteriöse Pressekonferenz ausgesucht haben, die am Dienstagnachmittag am Berliner Ensemble stattfand. 

Schräg gegenüber, bei Murphy’s Irish Pub, hat sich schon eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung um 13 Uhr eine Hundertschaft aus Depeche-Mode-Fans mit Drinks eingedeckt; in der Hoffnung, Dave Gahan und Martin Gore leibhaftig zu sehen – und sei es auch nur mal kurz durch die getönten Fenstergläser einer vorbeikurvenden Limousine. 200 Fans haben heiß ersehnte Bändchen gewonnen, sie dürfen, neben der Presse, mit rein ins Theater am Schiffbauerdamm. 

Ochsenblutrot und gülden-glamourös schaut das pompöse Theater von innen aus. Marek Lieberberg, einer der einflussreichsten Konzertveranstalter der Welt, macht persönlich die Voransagen („Handyfotos nur ohne Blitz!“), bevor die Star-Musikjournalistin Barbara Charone die Bühne betritt, die früh Pressearbeit für Madonna gemacht und eine offizielle Biografie über Keith Richards geschrieben hat.

Depeche-Mode-Mitglieder Martin Gore (l.) und Dave Gahan bei der Pressekonferenz in Berlin
Depeche-Mode-Mitglieder Martin Gore (l.) und Dave Gahan bei der Pressekonferenz in BerlinEmmanuele Contini

Besonders inspirierte Fragen muss Charon nicht stellen: Die Fans gehen auch so gut ab, als Dave Gahan und Martin Gore strahlend eine neue Platte („Memento Mori“) für März 2023 und eine Welttournee mit drei Dutzend Tourstationen ankündigen – darunter das Berliner Olympiastadion am 7. Juli 2023. Los geht es am 23. März 2023 im kalifornischen Sacramento, bis zum Tour-Finale am 11. August in Oslo. Der todestrunkene Albumtitel gemahnt natürlich auch an Andy Fletcher, drittes Mitglied der Band, der erst im Mai starb.

Über Album und Tour wurde in Fan-Foren schon viel gemunkelt, in einigen Städten wurden gar schon Tourplakate gesichtet. Spektakulär also eher: wie sehr Depeche Mode ein Spektakel sind, ohne wirklich was Neues zu verkünden. Klar, man hatte eine gute Zeit im Studio. Aber welcher Popstar sagt da jemals was anderes? In schnieke Anthrazit-Anzüge haben sich die beiden Synth-Pop-Gentlemen geworfen – und in coole Lederboots, mit denen man garantiert ins Berghain reinkommt. Aber in Berlin würde man den ehrwürdigen Herren natürlich selbst in Gummistiefeln jeden roten Teppich ausrollen. Klar ist: Wir sehen uns am 7. Juli im Olympiastadion. Und Dave Gahan wird uns dort mit seinem einmaligen Bariton anflehen: „Words are very unnecessary / they can only do harm.“ Stimmigerweise verlieren Depeche Mode nicht gar zu viele Worte: Nach einer halben Stunde ist der Spaß vorbei. Was für ein Theater!