Berlin - Meistens wird bei Young Euro Classic im Konzerthaus mit verkleinerten Besetzungen gespielt – bedauerlich, weil die Orchester zeigen wollen, wie viele junge Menschen sie anziehen, und die auch alle auftreten wollen. Das Schleswig-Holstein Festival Orchester, jährlicher Gast von YEC, hat sich mit PCR-Testung das Recht erkauft, mit 73 Musikerinnen und Musikern aufzutreten, also in der Standardbesetzung für ein Werk wie Peter Tschaikowskys Fünfte Symphonie. Andris Poga stand am Pult und leitete eine Aufführung, die ihre Kraft in der Ruhe suchte. Die oft zu hörenden Gefühlsorkane klingen bei Poga weltmännisch gebändigt. Das scheint zunächst eine deutliche Entscheidung für den Klassizisten Tschaikowsky statt für den exhibitionistischen Romantiker.

Im weiteren Verlauf scheint Pogas sehr exakte Einstudierung auf Kosten der temperamentvollen Entfaltung zu gehen. Im langsamen Satz wird die erste Generalpause penibel ausgezählt – die vorangegangene emotionale Entladung zittert in ihr nicht nach. Und auch den Walzer wird man überaus korrekt gespielt finden, aber darin auch reichlich kühl und frei vom ambivalenten Charme eines zwischen Andante und Finale sitzenden Zwischenspiels, das sich von deren Gewicht freitanzen will.

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