Zoff um Rolling-Stone-Liste: Wo sind Janet Jackson und Madonna?

Das US-Musikmagazin Rolling Stone hat seine Auswahl der 200 besten Sänger:innen veröffentlicht. Zwei Teilzeit-Berliner sind drin. Céline Dion fehlt.

Zu Recht auf Platz eins der Rolling-Stone-Liste: Aretha Franklin, hier 1994 im Weißen Haus
Zu Recht auf Platz eins der Rolling-Stone-Liste: Aretha Franklin, hier 1994 im Weißen HausIMAGO/Everett Collection

Zunächst mal vorweg: So eine Liste zu erstellen ist ein Scheißjob. Nix für Harmoniesüchtige. Ein Ranking der 200 besten Sänger:innen aller Zeiten – wie soll das gehen? Man kann sich da nur Ärger einhandeln. Vor allem geht es um die richtige Balance aus Überraschung und Bestätigung: Man erwartet von so einer Liste einerseits, dass die üblichen Verdächtigen drinstehen, andererseits aber auch, dass nicht nur die üblichen Verdächtigen drinstehen. Aufmerksamkeitsökonomisch ist es sogar sinnvoll, dass ein paar übliche Verdächtige gerade nicht drinstehen. Ein bisschen Stunk muss sein, damit die Leute reden.

Die Fans der Schmuse-Sirene laufen Sturm

So geschehen am Wochenende, als das US-Musikmagazin Rolling Stone seine Liste der angeblich 200 besten Sänger:innnen aller Zeiten offerierte. Die kompletten Top Ten (mit Aretha Franklin auf Platz eins und Whitney Houston auf Platz zwei) entstammen dem Soul, was eine relativ sichere Bank ist, denn damit können sowohl junge Hip-Hop-Kids was anfangen (auch wenn sie viele der Stimmen eher als Samples kennen) als auch ihre musikalisch traditioneller sozialisierten Eltern und Großeltern. Außerdem korrigiert der Rolling Stone damit viele seiner früheren Listen, in denen vor allem weiße Rocker absahnten.

Doch es gibt auch Ärger wegen Leuten, die (vermeintlich) fehlen: Am krawalligsten sind die Fans von Schmuse-Sirene Céline Dion drauf. Die laufen auf Twitter Sturm, als wäre die Rolling-Stone-Liste der direkte Wegweiser zum nächstbesten Eisberg. Dabei ist die Abwesenheit Dions durchaus plausibel: Unter Musikjournalist:innen (die die Liste zusammengestellt haben) gilt sie gemeinhin als wenig originell, da sie (anders als etwa Mariah Carey oder Adele) so gut wie keinen ihrer Songs selbst schreibt. Dion prahlt und protzt mit ihrer Stimme. Selten mit Subtilität für die Songs, zumindest wenn sie Englisch (nicht Französisch) singt. Angeber-Pirouetten, so wirkt es. Wer Dion mal live erlebt hat, etwa 2017 in der Berliner Benz-Arena, weiß indes: Die Dame ist erstaunlich witzig und selbstironisch. Vermutlich lacht sie sich schlapp über die Liste.

Überraschender ist die Vakanz von Madonna. Zwar wirkt ihre relativ dünne Stimme für viele erst mal austauschbar. Hört man aber ihre Hits, etwa „Like A Prayer“, gecovert von wem anderen als Madonna, weiß man eben doch, was man an ihr hat. Nur Madonna ist Madonna. Völlig unverzeihlich ist das Fehlen von Janet Jackson in der Liste: Ohne das, was sie schon Mitte der 1980er geleistet hat, wäre eine Beyoncé heute gar nicht denkbar. 

Berlin ist in der Liste eher schwach, aber nicht zu schwach vertreten: Kurzzeit-Berliner David Bowie und Teilzeit-Berliner Michael Stipe (einst R.E.M.) haben es gepackt. Und wer sich fragt, ob Beatles oder Stones: Der Rolling Stone votiert offenbar für die Beatles, nämlich mit John Lennon auf Platz zwölf. Imagine!