Gäbe es da nicht dieses eine Weihnachtslied, wäre der Name Michael Praetorius nur noch Musikwissenschaftlern ein Begriff. „Es ist ein Ros’ entsprungen“ ist von Praetorius weder gedichtet noch komponiert, sondern nur redigiert und arrangiert worden. Das 1599 im damals katholischen Speyer zuerst veröffentlichte Lied hat Praetorius protestantisch umgedichtet: Aus „Das Röslein, das ich meine, / davon Jesaja sagt, / ist Maria die reine, / die uns das Blümlein hat bracht“ wurde in der dritten und vierten Zeile „hat uns gebracht alleine / Marie, die reine Magd“ – aus dem Röslein Maria wurde das Röslein Jesus. Dazu brachte Praetorius die Melodie in einen vierstimmigen Satz, der mit seinen Varianten des Beginns im Abgesang, dem plötzlichen Dur-Akkord und dem kurzen Überschreiten des Soprans durch den Alt, zauberhafte Wirkung übt.

Zauber und technisches Raffinement kann man Praetorius ansonsten kaum nachsagen. 1571 oder 1572 im thüringischen Creuzburg geboren, war der jüngste von sechs Pfarrerssöhnen zum Studium bestimmt. Erst durch den Tod seiner Brüder, die ihm bis dahin das Theologie-Studium in Frankfurt an der Oder finanziert hatten, kam er zur Musik. Als Organist an der Universitätskirche verdiente er seinen Lebensunterhalt, verließ die Viadrina dennoch ohne Abschluss. 1594 ging Praetorius an den Ort, an dem er heute vor 400 Jahren sterben sollte: Wolfenbüttel. Bei dem dortigen Herzog Heinrich Julius wurde er zunächst Kammerorganist, dann Hofkapellmeister.

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