Platz 10: Tokio Hotel: Kings of Suburbia

Die Welt hat gewartet, und das Warten hat sich gelohnt: Nach fünf Jahren haben Tokio Hotel eine eine neue Platte herausgebracht, und „Kings of Suburbia“ ist wirklich ganz hervorragend geworden! In innovativer wie kurzweiliger Weise verbindet sie die Ästhetik des älteren Synthie-Pop mit neueren Stadion-Rave-Klängen, oberflächenversiegeltem R’n’B und allerlei Unfug, der sich der Kategorisierung entzieht. Sehr gut ist auch der ausgiebige Einsatz von Autotune-Effekten gelungen. Wenn Tokio Hotel früher wie rockende Manga-Figuren wirkten, wirken sie jetzt eher wie singende Schlümpfe auf Speed. (Universal)

Platz 9: "LP1" von FKA Twigs

Zu zart tropfenden Rhythmen singt Tahliah Barnett alias FKA Twigs von emotionaler Durstigkeit, zu komplexen Beats und minimalistisch getupften Synthklängen haucht sie sofort wieder verlöschende Melodien. Ihr Debütalbum „LP1“ konnte zwar die hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen, die sie 2012 mit ihren ersten Veröffentlichungen geweckt hatte, dazu blieben viele Lieder zu skizzenhaft. Doch ändert das nichts daran, dass ihr einer der interessantesten und originellsten Pop-Entwürfe des Jahres gelang. (Young Turks/Beggars/Indigo)

Platz 8: "What Is This Heart" von How To Dress Well

Die romantischsten und überschwänglichsten Lieder des Jahres sang Tom Krell alias How To Dress Well auf seinem neuen Album „What Is This Heart“; seine R’n’B-geschulte Vokalakrobatik verband er mit gewohnt eklektischen Synthmelodien. Doch auch wenn seine Musik weit heller und optimistischer wirkte als auf seinen vorigen Platten – so waren die Romantik und der neue Überschwang immer auch von dem unguten Gefühl unterwühlt, ob der geliebte Mensch, dem sie gelten, dadurch nicht überwältig und überfordert wird. (Domino/Goodtogo)

Platz 7: "Trust" von 18+

Hmm! Ooooh! Hechel! Nein! Rumpel! Brumm! Echo! Dunst! Die erstaunlichste und erotischste und in jeder Hinsicht verstörendste Platte des Jahres stammt von dem hawaiisch-kalifornischen Duo 18+. Dessen Musik stellt man sich am besten als ultraverlangsamten und überdies mit allerlei klanglichen Schlieren verschleierten R’n’B vor, zu dem wahlweise lasziv oder sediert gesungen, gerappt oder gestöhnt wird. Nach drei selbstvertriebenen Mixtapes, einer von 18+ entwickelten Serie von Autoschlüsselanhängern und einer 7"-Single namens "Crow/Horn" ist „Trust“ jetzt ihr erstes reguläres Album. Darauf wird zu träge sich drehenden Bassfiguren mit spannungsvoll unterdrückter Erregtheit gehechelt und von heruntergepitchten Stimmen gegurrt; eine Musik, von der man nie weiß, ob sie aus Angst rührt oder aus Lust und ob das überhaupt einen Unterschied macht. (Houndstooth)

Platz 6: "Our Love" von Caribou

Melancholie und Euphorie, Introspektion und Rausch, zerbrechliche Singer-Songwriter-Kunst und hinternkickende elektronische Beats: Kein anderer Künstler der Gegenwart vereint diese scheinbar widerstreitenden musikalischen Welten so neugierig und virtuos wie Dan Snaith alias Caribou. Mit „Swim“ gelang ihm 2010 das tollste und meist bewunderte Pop-Album des Jahres; und das Nachfolgewerk „Our Love“ aus diesem Sommer ist klanglich und rhythmisch sogar noch avancierter geraten. Mit seinen weichen Bässen und fantasievoll rhythmisierten Stimmschnipseln orientiert es sich am zeitgenössischen R’n’B und mit seinen zerdehnten, den Höhepunkt kunstvoll hinauszögernden Dramaturgien an Minimal Techno und House. Man merkt, dass Snaith seit „Swim“ nicht nur auf Konzertbühnen tätig gewesen ist, sondern vor allem auch als DJ gearbeitet hat. (City Slang/Universal)

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