Er hätte es gewiss nicht gern gehört, aber natürlich war Karl Moik der Dieter Bohlen der Nachkriegsgeneration. Sein Name stand für eine Fernsehkultur, die Millionen Zuschauer nach getaner Arbeit schnörkellos glücklich machte, mit der aber damals wie heute niemand identifiziert werden will. Die Schmähungen der Kulturkritik begleiteten Moik, der gestern 76-jährig in Salzburg starb, so lange er öffentlich auftrat.

Seit jeher spaltet das schlichte Weltbild der Volksmusik das Fernsehvolk. Dass in Moiks „Musikantenstadl“ nie wirklich gesungen, sondern ausschließlich Vollplayback produziert wurde, tat nach Meinung der Fans der Inszenierung des Schunkelvergnügens keinen Abbruch. Und dass dem Gastgeber, der die mehrstündige Livesendung stets ohne Teleprompter absolvierte, gelegentlich eine verbale Entgleisung unterlief – so verunglimpfte Moik zum Beispiel einmal die Italiener vor laufender Kamera als „Spaghettifresser“ – wird seine von Political Correctness völlig unverdorbene Klientel kaum bemerkt haben.

Mit seinem Gespür für die Gefühle des Publikums wirkte Karl Moik – wie Dieter Bohlen – vor der Kamera wie ein echter Typ. Fern seines „Stadl“, das er 1980 für den ORF konzipiert hatte, zeigte sich der ehemalige Werkzeugmacher aber durchaus zur Selbstreflexion fähig. So offensiv, wie er in Talkshows oder Interviews die arglose, unpolitische, sogenannte leichte Unterhaltung verteidigte, stellte sich der Österreicher bewusst in die Tradition der restaurativen Nachkriegunterhalter Hans Rosenthal oder Peter Frankenfeld.

Fast ein Vierteljahrhundert lang ist Karl Moik mit dem „Musikantenstadl durch das deutschsprachige Sendegebiet getourt. Zunächst erschunkelte er sich die volkstümliche Gemeinde zwischen Flensburg und Passau. Die umfasste in den besten Zeiten rund sieben Millionen Fernsehzuschauer und war derart treu, dass sie ihm zuhauf auf die Auslandseinsätze hinter den Eisernen Vorhang nach Moskau oder in die Wüste nach Dubai folgte. Als Karl Moik mit seinem „Stadl“ 1996 am Kap jodelte, schüttelte Nelson Mandela ihm die Hand; die Live-Show aus der „Verbotenen Stadt“ in Peking sahen sich drei Jahre später 800 Millionen Chinesen an. Auch im deutsch-deutschen Verhältnis war der Österreicher Moik ein Eisbrecher: Sein Stadl war die erste Sendung des Westfernsehens, die das DFF nach der Wende übernahm.

Mit der Silvesterausgabe 2005 verabschiedete sich Karl Moik schweren Herzens von seinem Musikantenstadl. Die ARD hatte seinen auslaufenden Vertrag mit dem Hinweis auf die angeschlagene Gesundheit des Moderators nicht verlängert. Tatsächlich hatte Karl Moik im Vorjahr einen Herzinfarkt, auch am Ende seiner Abschiedsshow, die der damals 67-Jährige sichtlich bewegt moderiert hatte, erlitt er einen weiteren Schwächeanfall. Aber es war ein offenes Geheimnis, dass das Erste mit einem neuen Moderator auch die Verjüngung des Publikums erreichen wollte. So musste Moik hilflos zusehen, wie Andy Borg, Jahrgang 1960, durch „seine“ Sendung führte. Offen gab er zu, dass es sein Fehler war, sich den Namen „Musikanten-stadl“ nie schützen zu lassen.

Es ist anzunehmen, dass Karl Moik – Ärger hin, Wehmut her – sich in Bezug auf die ARD-Volksmusik auch nach seinem TV-Abschied auf dem Laufenden hielt. Zwar war er nach einem weiteren Herzinfarkt am Rosenmontag 2014 über längere Zeit im Rehazentrum Großgmain bei Salzburg in Behandlung, aber die Familie hatte sich in den vergangenen Monaten immer optimistisch über seinen Gesundheitszustand geäußert.

So wird Karl Moik wohl nicht entgangen sein, dass der Musikantenstadl auch mit neuer Leitung nicht zum Jungbrunnen für die ARD wurde. Vor wenigen Wochen trennten sich die Senderverantwortlichen nun auch von Andy Borg. „Ich brauche seit einigen Monaten eine Lesebrille, was soll ich machen?“, kommentierte der seinen Rauswurf. An diesem Sonnabend läuft der vorletzte „Musikantenstadl“ mit Andy Borg, nach einem Nachfolger wird noch gefahndet.

Derweil hat sogar schon „Deutschland sucht den Superstar“ den Volksmusikanten Heino in die Jury geholt. Der saß im Januar neben Dieter Bohlen, um dort nach eigenem Bekunden „großväterliche Ruhe“ zu verbreiten.