Ohne Worte
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BerlinMeine Güte, heute Morgen war ich mal wieder richtig fly. Oder anders gesagt: Bei mir ist es gelaufen. Ich dachte mir: „YOLO, letztens noch auf einer Gammelfleischparty mit vielen Smombies und krassem Niveaulimbo gewesen, und heute früh hatte ich einfach wieder super viel Swag!“

Falls Sie – wie ich übrigens – hier nicht mehr ganz so folgen können, ist Ihre Jugendzeit höchstwahrscheinlich schon einige Zeit her. Das war nämlich ein kurzes Sam­mel­su­ri­um der Jugendwörter der vergangenen Jahre. Ich (30) kannte auch nicht alle und musste mich deshalb bekannter Suchmaschinen bedienen, tun Sie es mir doch gleich und entschlüsseln Sie meine Stimmungslage. Ich habe mich auf jeden Fall richtig jung gefühlt, als das Jugendwort des Jahres verkündet wurde und ich die Top 3 durchweg kannte. Der Wettbewerb wird seit 2008 organisiert, ursprünglich vom Langenscheidt-Verlag ins Leben gerufen, wird die Abstimmung dieses Jahr erstmals von PONS ausgerichtet.

Gewonnen hat dieses Jahr mit 48 Prozent aller Stimmen das Wort „lost“. Für das weniger junge Publikum: Direkt übersetzt aus dem Englischen bedeutet es „verloren“, beschreibt aber in der Jugendsprache vor allem ahnungsloses oder unsicheres Verhalten. Das Jugendwort 2020 könnte also unser aller Empfinden im diesjährigen Corona-Jahr wohl nicht besser beschreiben. Haben sich 2020 nicht alle – Jung und Alt – irgendwie etwas lost gefühlt? Falls Sie also bei den jungen Leuten mal richtig mitmischen (oder eben „fly sein“) wollen, empfehle ich folgende Phrase: „Papa hat echt keine Orientierung, wie lost der gerade wieder ist“.

Platz zwei mit knapp einem Drittel aller Stimmen ging an „cringe“. Noch nie gehört? Kein Grund, sich zu schämen! Auch dieses Wort leihen sich die jungen Leute von den angelsächsischen Nachbarn und nutzen es für peinliche oder unangenehme Begebenheiten, für die man sich durchaus auch mal fremdschämen kann. Wenn etwas cringy ist, zuckt man schon mal zusammen. Beispiel: „Hoppala, die Laura kann echt nicht singen, echt cringy, wie sie da trällert“.

Für krasse (ein etwas älter gewordenes Jugendwort) Begebenheiten nutzen unsere jungen Mitmenschen, zumindest die, die bei der PONS-Umfrage mitgemacht haben, das Wort „wyld“ oder „wild“: „Echt wyld, wie gut du skaten kannst“.

Wenn Sie Ihren Kindern mal so richtig viel von Ihrem Swag (Hinweis: lässig-coole Ausstrahlung) zeigen wollen, können Sie vielleicht alle drei Worte in einem Gespräch über, sagen wir, aktuelle Politik – ganz nebenbei – einfließen lassen und einfach mit Ihrem Scharfsinn auf verschiedenen Gebieten Eindruck schinden. Wie wär’s zum Beispiel mit: „Meine Güte, ich habe die Debatte zwischen Trump und Biden geguckt, war echt wyld. Trump war da bei vielen Themen einfach nur lost, dass es echt super cringy war“.