Köln - Die Masse gibt den Ton an. Die Millionen machen die Musik. Die Klicks zeigen, wo der Hammer hängt. Letztlich ist niemand, nichts und niemand vor den exzessiven Entrüstungsstürmen sicher - wenn sich hier jemand aufregen will, dann loggt er sich halt bei Facebook ein und scrollt ein bisschen die Timeline auf und ab. Irgendwo wird sich schon ein Shitstorm finden, irgendwer ist immer irgendwo gegen.

Aktuell bäumen sich hunderttausende auf gegen den Gedanken, das Markus Lanz schon seit Jahren Moderator ist und das auch bleiben wird. In der Vergangenheit war es Dirk Nowitzki, oder gleich ein ganzer Konzern wie Henkel oder die Deutsche Bahn. Im Shitstorm vereint wettert Internetdeutschland, ganz anonym und deswegen schick, gegen doofe Werbekampagnen, schlechten Service, mies bezahlte Arbeit, ungerechte Burger-Preise.

Hier sind: die größten Shitstorms der Nation. Denken Sie an unsere Kommentarfunktion!

Nowitzkis Wahnsinns-Wurst

Er ließ sich das Mortadella-Scheibchen schmecken, kurz danach verging ihm wahrscheinlich der Appetit: Der Werbespot der Bank ING-Diba, in dem Dirk Nowitzki eine gerollte Scheibe Fleischwurst isst, veranlasste im Januar 2012 tausende Vegetarier, auf der Internetseite der Bank zu protestieren. Der Spot wurde in einer Metzgerei gedreht, Nowitzki bekommt die Scheibe an der Theke geschenkt.

Kießlings Phantomtor-Patsche

Der Ball gelangte von außen ins Netz – und gab dem wohl größten Shitstorm der Sportwelt damit ordentlich Aufwind: Nach seinem „Phantomtor“ im Spiel gegen Hoffenheim wurde Stefan Kießling (Bayer Leverkusen) auf seiner Facebook-Seite im Oktober 2013 so extrem beleidigt, dass er seinen Account vorübergehend sperrte. Tausende feindeten den Fußballer an. Das Tor zählte trotzdem.

Lanz' Kommunikationsstil-Klatsche

Markus Lanz und Sahra Wagenknecht, das ist seit Kurzem so ein Thema. Der Moderator ließ die Vizechefin der linken in seiner Talkshow vom 16. Januar kaum zu Wort kommen, unterbrach sie ständig. Der Mann nahm die Frau nicht ernst, und das gefiel den deutschen Usern gar nicht: In einer Online-Petition sprachen sich Hunderttausende für Lanz' Absetzung aus, binnen weniger Tage waren so viele digitale Unterschriften zusammengekommen, dass der Druck auf Lanz ihm scheinbar selbst zu groß wurde: Per Anruf entschuldigte er sich bei Wagenknecht für sein Verhalten.

Amazons Abrechnung

Eine ARD-Dokumentation, die im Februar 2013 über schlecht bezahlte Leiharbeiter bei Amazon berichtete, veranlasste Hunderte, die Facebook-Seite des Online-Händlers mit Wut-Kommentaren zu überladen. Einige riefen zu einem Boykott auf, andere warfen den Vorwurf in den Raum Amazon-Mitarbeiter würden Lob-Beiträge auf Facebook verfassen, damit alles nur halb so schlimm wirkt.

Brigittes Bredouille

Eine Redakteurin der Frauenzeitschrift „Brigitte“ äußerte sich im November 2012 sehr zur Empörung der Netzgemeinde: In einem Online-Artikel schrieb sie, dass Skateboards zu kleinen Jungs gehören würden und es sie aggressiv mache, ältere Männer auf dem Rollbrett durch die Straßen fahren zu sehen. Tausende schrieben heftige Kommentare, die Redaktion nahm den Artikel von der Seite.

Pril-Panne

Eine Kampagne des Spülmittelherstellers Henkel ging Anfang 2011 nach hinten los. Henkel hatte die Netzgemeinschaft aufgerufen, kreative Design-Vorschläge einzusenden, die zukünftig die Pril-Flasche zieren sollten. Doch die Nutzer überluden das Portal mit absurden Ideen. Unser Favorit: Spüli, das lecker nach Hähnchen riecht, und auch noch so schmeckt!

Deutsche-Bahn-Beschimpfung

Im Herbst 2010 wollte die Deutsche Bahn ein „Chef-Ticket“ anbieten. Auf Facebook. Die Plattform wurde jedoch von den meisten Personen genutzt, um ihrem Ärger über den Konzern mal richtig Luft zu machen. Der Verzicht auf sämtliche Kommunikation mit der Netzgemeinde - die Deutsche Bahn äußerte sich nicht und blieb dabei - bescherte der Bahn ein PR-Debakel.