Die Empörung begann noch während der Sendung. Markus Lanz hatte die führende Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht eingeladen und von Anfang an lag er so unangenehm daneben in seiner Moderation, dass es auf Twitter fassungslose Kommentare gab. "#Lanz fällt seinen Gästen alle 5 Sekunden ins Wort. Liebes #ZDF - dieser Mann ist eine Katastrophe für den öffentlich rechtlichen Rundfunk", schrieb etwa Twitter-Nutzer @Springerherten.

Als die "schönste Linke aller Zeiten" stellte Lanz Wagenknecht vor. Das war so unpassend wie diskreditierend, und doch nur der Grundton, der die nächsten Minuten bestimmte. Weder ließ Lanz Wagenknecht ausreden, noch stellte er ihr Fragen, die auch nur annähernd dem Niveau entsprachen, das man von einer Talk-Sendung im öffentlich-rechtlichen Rundfunk erwarten dürfte: "Wie ist das eigentlich für Sie, wenn Sie da jetzt im Bundestag sitzen und so nach links und rechts gucken — wobei: Links ist ja nix mehr, da sitzen Sie ja schon. Aber auf die andere Seite. Kriegt man da Minderwertigkeitskomplexe, wenn man diese Riiiiiesenkoalition sieht und dann ist man daneben so klein — und Gregor Gysi nur 1,50 groß?" Unterstützung erhielt Lanz unter anderem von Stern-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges, der ebenfalls zu Gast war.

Ausführlich befasste sich bereits am nächsten Tag Stefan Niggemeier auf seinem Blog mit Lanz' Respektlosigkeiten, sezierte seine unwürdige Gesprächstaktik des Nicht-zu-Wort-Kommen-Lassens und zitierte aus einem Schreiben des ZDFs an einen Zuschauer, der sich schriftlich beschwert hatte: "In der aktuellen Sendung ist die Debatte sicherlich auch an einigen Stellen schärfer geworden als dies geplant und in der Nachbetrachtung für die sachliche Erörterung notwendig war", hieß es da. Sahra Wagenknecht sei mit der Sendung zufrieden gewesen. Von Konsequenzen war keine Rede.

"Keine Rundfunkgebühren für Inkompetenz"

Das hat nun vielen Zuschauern nicht gereicht, genauer gesagt: Mehr als mittlerweile 200.000 Leuten war das nicht genug. Sie fordern nun: "Raus mit Markus Lanz aus meiner Rundfunkgebühr!" Sie haben online eine Petition unterschrieben, die fordert, Lanz müsse abgesetzt werden.

"Die Sendung "Markus Lanz" vom 16.01.2014 zeigte zum wiederholten Male, dass Herr Lanz weder fähig noch willens ist, seinen Gästen gleichberechtigt Wohlwollen, Rederecht und Anstand entgegenzubringen", heißt es in der Petition. "Ein Moderator, der offenbar große Probleme damit hat, dem politischen Spektrum links von der Mitte mit einem Mindestmaß an Höflichkeit zu begegnen, passt nicht in ein Öffentlich Rechtliches Format. Der im explizitem Falle miserable Stil im Umgang mit Sahra Wagenknecht spiegelt in drastischem Maße wider, dass politische Neutralität für Lanz ein Fremdwort ist." Eingereicht wurde die Petition von einer Maren Müller, die nach einem Bericht des Branchendienstes Meedia bis zum vergangenen Jahr selbst Mitglied der Linken war.

Unterstützer der Petition begründen ihre virtuelle Unterschrift: "Ich bin nicht bereit", schrieb einer, "meine Rundfunkgebühren in Inkompetenz, Fehlinformationen und platten, oberflächlichen Journalismus zu investieren. Frechheit!"

Auch Sahra Wagenknecht meldete sich inzwischen zu Wort. Sie sagte der Bild-Zeitung, sie werde in nächster Zeit nicht mehr bei Lanz auftreten. Außerdem widersprach sie der ZDF-Zuschauerredaktion:

Die Petition läuft noch bis Mitte März. Ziel waren anfangs 10.000 Unterschriften, am Donnerstag dann 100.000, dann waren es 200.000. Die sind nun bereits erreicht. Der Ansturm auf die Petition war zeitweise so stark, dass die Seite wegen Überlastung nicht abrufbar war.

Es ist nicht das erste Mal, dass Lanz wegen seiner Moderationen in der Kritik steht. Im Sommer wurde Lanz für seinen unpassenden Ton und patzige Ansagen in der Mallorca-Ausgabe von "Wetten dass..?" stark kritisiert.

Bei Sahra Wagenknecht hat sich das ZDF mittlerweile entschuldigt, via Twitter, mit einem: "Sorry".

Finden Sie die ganze Sendung in der Mediathek des ZDF hier.