Nachfolge von Günther Jauch: Das Wort am Sonntag geht an Anne Will

Dieses Jauch-Ding ist Anne Will nie ganz losgeworden. Als sich die ARD 2007 über die Nachfolge von Sabine Christiansen als prominentester Polit-Unterhalterin des deutschen Fernsehens den Kopf zerbrach, war zunächst Günther Jauch der Wunsch-Kandidat der ARD-Granden. Mit dem beliebten Moderator des Quiz-Dinosauriers „Wer wird Millionär“ verbanden sie die Erwartung einer neuen politischen Leichtigkeit und hofften auf ein schier unerschöpfliches Quotenversprechen.

Naheliegende Hauslösung

Anne Will war dagegen eine Art naheliegende Hauslösung. Als Nachrichten-Moderatorin hatte sie ihr politisches Einschätzungsvermögen bei den „Tagesthemen“ hinreichend unter Beweis gestellt. Weiter zurück lag ihre nachgewiesene Begabung zu intelligenter Fernsehunterhaltung in der WDR-Talkshow „Parlazzo“, in der die beim Sender Freies Berlin zur Sport-Journalistin ausgebildete Fernsehfrau ihren Gästen mit unprätentiöser Neugier begegnete. Als Moderatorin unterhaltender Fernsehformate gelang ihr das immer seltener vorkommende Kunststück, sowohl die Bereitschaft zu offener Zuwendung als auch zu gebotener Distanz zu signalisieren.

Es bedurfte schon einer gewissen professionellen Abgebrühtheit, nach erfolgreichen Talk-Jahren klaglos die Verdrängung ihrer Sendung vom prominenten Sendeplatz am Sonntagabend, direkt nach dem „Tatort“, zu akzeptieren. Die anhaltende Jauch-Fantasie einiger ARD-Bosse hatte schließlich doch obsiegt und Anne Will 2011 dazu gezwungen, das von ihrer eigenen Produktionsfirma unter dem Namen „Anne Will“ betriebene Sonntagsgeschäft auf einem anderen Sendeplatz, am späten Mittwochabend, fortzusetzen. Vermutlich hat sie nur kurz eine Augenbraue hochgezogen, eine zum Markenzeichen verfeinerte Geste, durch die sie ein vorsichtiges Missfallen oder zumindest eine gewisse Skepsis an allzu gängigen Politikerfloskeln auszudrücken pflegt.

"Ein schönes Angebot"

Nun also Kommando zurück. Anne Will wird ihrerseits wieder Günther Jauch nachfolgen, der von 2016 an nicht länger den Versuch unternehmen möchte, die große Geste der Welterklärung in ein gediegenes Sendeformat zu zwängen. Anne Will bestätigte die Nachricht in uneitler Knappheit. Sie moderiere die Sendung am Mittwoch mit großem Spaß, aber es sei „auch ein schönes Angebot, demnächst auf den Sonntag zu wechseln“.

Mit ihrer Entscheidung für Anne Will ermöglicht die ARD der 49-jährigen Moderatorin wohl auch das Gefühl einer späten Genugtuung. An Anerkennung ihrer Qualitäten hat es im Wettbewerb der längst inflationär ausgestrahlten Talkshows mit gesellschaftspolitischen Themen zuletzt keineswegs gemangelt.

Und doch schmeckt die neuerliche Entscheidung für Anne Will als künftige Sonntagsfrau einmal mehr nach zweiter Wahl. Eine ARD, die Will sagt, verharrt in der Pose des „Weiter so“. Keine Lust auf Innovation, nirgends. Bei der ARD wollte man wohl nicht das Risiko eingehen, dass dem ZDF zuletzt mit der Großshow „Wetten, dass..?“ widerfahren war. Bei der Suche nach einem geeigneten Moderator hagelte es Absagen und die sich in die Länge ziehende Suche beschädigte schließlich auch Markus Lanz, der den Job als Gottschalk-Nachfolger noch für kurze Zeit ausfüllen durfte.

Für die Freunde der anspruchsvollen Fernsehunterhaltung ist das alles kein Drama. Kaum etwas spricht gegen Anne Will, außer das Bedürfnis, sich am Sonntagabend vorm Fernseher auch einmal überraschen zu lassen.