Eines seiner berühmtesten Bilder ziert ein Plattencover. Der Dichter und Sänger Wolf Biermann verwandte für seine 1979 erschienene Platte mit dem Titel „Hälfte des Lebens“ eine Zeichnung, auf der zwei der berühmten Strichmännchen A.R. Pencks aufeinander losgehen. Klein und schwach der eine, groß und aggressiv der andere. Der Schwache hält ein Bild in der Hand, das die Szene des Bildes im kleinen Bild noch einmal wiederholt. Ein typischer Penck, in seiner radikalen Einfachheit erzählt das Bild zugleich eine vieldeutige Parabel.

Rührt die Aggression des Starken womöglich gerade daher, dass der Schwache ihn provoziert und herausfordert? Dann aber wäre der Schwache der Aggressor und die Bedeutung des Bildes tendierte in eine ganz andere Richtung. Wolf Biermann liebte diese Szene und machte sie über seine Tonträger insbesondere in der Bundesrepublik bekannt.

Dabei war A.R. Penck, der 1939 unter dem Namen Ralf Winkler in Dresden geboren wurde, ein vielseitiger Künstler mit einer typischen DDR-Biografie. In der sozialistischen Findungsphase nahm er Zeichenunterricht bei dem Künstler Jürgen Böttcher alias Strawalde und wurde Mitglied der Gruppe Erste Phalanx Nedserd. Die Gruppe hatte sich selbstbewusst einer ästhetischen Kompromisslosigkeit verschrieben und eckte damit bald an.

Ab 1956 bewarb Penck sich mehrfach erfolglos an der Hochschule für Bildende Künste Dresden und an der Hochschule für Bildende und Angewandte Künste Berlin. Ein Akademiestudium blieb ihm ebenso verweht wie den Kollegen seiner Gruppe, also blieb nur der Weg in die Produktion. Das war nicht ohne Ironie, denn A. R. Penck wurde tatsächlich zu einem der produktivsten deutschen Maler, in dessen formaler Rauheit sich die Nähe zu handwerklichen Tätigkeiten unmittelbar spiegelt.

Der Künstlername Penck erinnert an die Comicsprache, und seine Zeichnungen und Gemälde haben tatsächlich etwas Hingeworfenes, das um Ausdruck ringt, aber gerade die vermeintliche Unfertigkeit markierte stets auch die unbedingte Dringlichkeit seines künstlerischen Anliegens. Penck wechselte listig seine Namen, weitere Pseudonyme waren Mike Hammer, TM oder auch Y. Das war eine spielerische Tarnung, doch sie wurde zu bitterem Ernst.

Im Mai 1979 wurden bei einem Einbruch in seinem Atelier zahlreiche Werke und viele Aufzeichnungen vernichtet, wenig später wurde Penck dann aus der DDR ausgebürgert, und er siedelte in den Westen über. Eine künstlerische Freundschaft verband ihn noch zu DDR-Zeiten mit dem Maler Jörg Immendorff, mit dem er mehrfach zusammenarbeitete. In den Folgejahren nahm Penck an den heute vielleicht wichtigsten Kunstschauen der Documenta 5 und 7 teil.

Seine Teilnahme an der Documenta 6 wurde durch den Einfluss eines Stasi IM auf einen hessischen Parlamentarier verhindert. Im Westen wurde A.R. Penck, der alte Wilde aus Dresden, in den 80er-Jahren zu den Neuen Wilden gezählt. Er malte, schrieb und machte Musik, u.a. in der Band Triple Trip Touch. Penck war jetzt auch ein bisschen Punk. Am 2. Mai ist er im Alter von 77 Jahren in Zürich gestorben.