Nachruf auf DEFA-Star Rolf Hoppe : Der König ist tot

Sein Stil war unvergleichlich. Mit seinem feinen, oft etwas ironischen Lächeln, seiner leisen Stimme, den wasserblauen, mitunter kalten Augen und den typischen lässig-linkischen Bewegungen spielte er ganz verschiedene Charaktere, immer ein wenig anders gefärbt. Mal sarkastisch, mal drohend, mal heiter, mal zärtlich-liebevoll. So wird Rolf Hoppe Millionen Menschen in Erinnerung bleiben – ob als König in „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ (1973) oder als Nazi-Ministerpräsident Hermann Göring in „Mephisto“.

Mit dieser Rolle wurde er 1981 weltbekannt. Istvan Szabós Meisterwerk erhielt 1982 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film. „Als Schauspieler ist Rolf Hoppe ein gefährliches Raubtier, das auf samtenen Pfoten daherkommt“, sagte sein Kollege Klaus Maria Brandauer. „Er ist ein ganz großer Schauspieler.“

Am Mittwoch nun ist Rolf Hoppe „nach einem erfüllten Leben im Kreise seiner Familie (...) friedlich entschlafen“. So heißt es in einer Mitteilung, die Hoppes Familie über das Hoftheater Dresden herausgab. Er wurde 87 Jahre alt.

In der Backstube und im Zirkus

Als Weltstar hatte sich Rolf Hoppe selbst nie sehen wollen, auch als er längst einer war. Er gehörte zu den ganz wenigen deutschen Schauspieler in dieser Liga. „Ich bin Dresdner, ein Sachse, der im thüringischen Ellrich geboren wurde. Und basta!“, sagte er einmal. Auf die Welt kam er am 6. Dezember 1930 als Sohn eines Bäckermeisters. Er vertrat seinen Vater gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in der Backstube. Nach dem Abschluss der Volksschule machte er eine Bäckerlehre, arbeitete auch als Kutscher.

Doch früh zog es ihn auch zur Schauspielerei. Er spielte im Laientheater Ellrich, ging dann zum Schauspielstudium nach Erfurt. Weil er Stimmprobleme hatte, arbeitete er eine Zeitlang als Tierpfleger beim Zirkus Aeros. Nach der Schulung seiner Stimme am Hallenser Institut für Sprechwissenschaft bekam er ein Engagement am Theater der jungen Garde in Halle. Die für ihn typische leise, eindringliche Stimme war also auch das Ergebnis einer gründlichen Schulung – sie hat viel zu seinem Ruhm beigetragen.

Hoppe spielte unzählige Bühnenrollen, in Greifswald, Leipzig, Gera, Dresden und am Deutschen Theater in Berlin. Sein Filmdebüt gab er 1963 in Konrad Petzolds „Jetzt und in der Stunde meines Todes“ mit einer kleineren Rolle als Portier. Es folgten weitere Rollen. Doch vielen Zuschauern wurde er wohl erst mit den Defa-Indianerfilmen ein Begriff.

Leutselig, aber gefährlich

Herrlich, wie er etwa in der „Spur des Falken“ (1968) die Rolle des fiesen, feigen Schurken James Bashan spielte. Oder den Captain Burton in „Apachen“ (1975). Niemand wollte mit einem solchen Typen etwas zu tun haben. Und doch: Wie sehr wünschte man sich dann einen Vater, der so nachsichtig und freundlich war wie der König zu seinem Sohn in „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“. Gespielt vom selben Mann – mit nur leicht variierten Mitteln.

1979 wollte Rolf Hoppe eigentlich in den Urlaub fahren. Doch der ungarische Filmemacher István Szabó kam ins Staatstheater Dresden, um Rolf Hoppe zu bewegen, in seinem Film „Mephisto“ mitzuspielen, der auf einem Roman von Klaus Mann beruhte. Szabó war sich sicher, dass Hoppe am besten diese Figur eines leutseligen, aber höchst gefährlichen Nazi-Bonzen hinkriegen würde. Und er hatte sich nicht geirrt. „Leider war ich so dumm, nicht zur Oscar-Verleihung nach Hollywood zu fahren“, sagte Hoppe später. „Heute würde ich das sicher anders machen.

Es folgten weitere Filme, im Kino und Fernsehen. In Erinnerung bleiben etwa „Frühlingssinfonie“ (1983), „Schtonk!“ (1992) oder „Alles auf Zucker!“ (2004). Jemand nannte ihn den „König der Nebenrolle“. Aber damit konnte er umgehen. Genau das wollte er. 1995 kaufte Hoppe am Rande von Dresden einen Bauernhof und gründete Hoppes Hoftheater. „Ich hab oft gesagt: Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume. Und das geht auf dem Theater“, sagte Hoppe in einem Video, auf einem Sofa sitzend und Pfeife schmauchend. Ein zufriedener Mann nach einem erfüllten Leben.