Um die Kunst von Dick Dale zu verstehen, müssen wir uns das Gitarrenspiel als Gewaltakt vorstellen. Vergessen wir also all die anderen Attribute, mit denen der Künstler ansonsten bedacht wird, allen voran die Sache mit der sogenannten Surf Musik, die uns zumeist an junge frische Männer in luftigen Hemden und weiten Hosen erinnert, an unbeschwerte Wellenreiter-Laune und überhaupt an die legendären Beach Boys und ihre windseligen, luftig-leichten Strandchoräle.

Dick Dale war vor allem ein Berserker an der Gitarre

Gitarre und Gewalt also. Kein Zweifel, Dick Dale hat Surf Music gespielt, seine ersten beiden Alben geben das unmissverständlich und vor allem selbstbewusst zu verstehen: Sie heißen „Surfers’ Choice“ (1962) und „King of the Surf Guitar“ (1963) und versammeln all die surfigen Klangklischees, die sehr viel später noch einmal eine retroselige Wiederauferstehung erlebten, als Hollywood-Regisseur Quentin Tarantino seinen Film „Pulp Fiction“ (1994) mit Dales berühmtesten Titel „Misirlou“ eröffnete.

Tarantino wählte für seine Gewaltorgie die passende Musik. Denn Dick Dale war vor allem dies: ein Berserker an der Gitarre. Mit schnellen kräftigen Schlägen bearbeitete der Linkshänder sein Instrument, er benutzte sehr dicke, kräftig klingende Saiten, er spielte in den Sechzigern als erster einen über 100 Watt starken Verstärker, er brutalisierte den metallenen Klang seiner Stratocaster durch eine übermäßige Hinzugabe von Halleffekten – den tropfend schmatzenden Federhall seines Fender Showman Amps. Diese Klangwucht beeindruckte Gitarristen wie Jimi Hendrix und Eddie van Halen.

Er glaubte von sich selbst, gar nicht Gitarre spielen zu können, sondern eher zu lärmen

Der 1937 in Boston, Massachusetts, geborene Richard Anthony Monsour, wie Dick Dale eigentlich hieß, war seiner musikalischen Auffassung nach ein Punk. Dazu passte auch, dass er von sich selbst glaubte, gar nicht Gitarre spielen zu können, sondern eher zu lärmen, eben laut zu sein.

Der Gitarrenbauer Leo Fender, mit dem Dick Dale eine tiefe Freundschaft verband, sagte einmal über dessen rustikale Spielweise: „Wenn ein neues Instrument sein Sperrfeuer körperlicher Züchtigung (barrage of punishment) überlebt hatte, war es für den Gebrauch durch normale Menschen geeignet.“

Und das Surfen? Was hat das alles mit Surf Music zu tun? Nichts. Oder, sagen wir, es war ein Zufall: Als Teenager zog Dale mit seiner Familie nach Kalifornien und entdeckte dort seine Leidenschaft fürs Wellenreiten. Dann wurde er Musiker. Er starb bereits am Sonnabend, wie sein Bassist Sam Bolle jetzt dem Guardian sagte. Dale wurde 81 Jahre alt.