Ihr Markenzeichen war die immer piepsig schrille, hell-schnodderige Stimme, die alles, was sie sagte, komisch und keck, frank und frei klingen ließ: Dabei war dieses persönliche Merkmal nichts, was sie sich aus tiefgründigen künstlerischen Erwägungen zurechtgelegt hatte, sondern das Resultat einer verpfuschten Mandeloperation im Kindesalter. Der Arzt rutschte bei dem Eingriff ab und verletzte wohl die Stimmbänder. Doch das Missgeschick entwickelte sich zum Glücksfall und gab Edith Hancke von Anfang an eine unverwechselbare Note. So erzählte sie es 2008 bei der Benefiz-Gala zu ihrem 80. Geburtstag im Theater am Kurfürstendamm.

Ein Berliner Kindl bis in die Knochen

Widerstände und Schwierigkeiten konnten sie ohnedies nie bremsen: Nachdem sie, 1928 als Tochter eines Bankangestellten in Charlottenburg aufgewachsen, mit sechzehn Jahren verkündet hatte, Schauspielerin werden zu wollen, sagten die Eltern: Nur unter einer Bedingung - zuerst kochen lernen! Edith Hancke gehorchte und hat den Besuch der Haushaltsschule nie bereut. Und ebenso wenig ihr Kollege Klaus Sonnenschein, mit dem sie seit 1972 verheiratet war, denn, wie er einst sagt, machte sie die allerbesten Buletten der Stadt. Sie war aber auch wirklich so eine, der man das sofort zutraute – inspiriert mit der Pfanne in der Küche hantieren und gleich darauf putzmunter auf der Bühne stehen und das Publikum nach Strich und Faden amüsieren, und das stets mit dieser schrägen, hochkonzentrierten Quietschstimme, die ein begeisterter Friedrich Luft 1951 als „authentischen Ton des frechen Berliner Kellerkindes“ lobte. Ein Kellerkind war das Mädchen aus guten Verhältnissen außer in den Bombennächten des Zweiten Weltkriegs zwar nie – „Wenn die Sirenen gingen, schleppte ich jedesmal aus dem 4.Stock meinen schweren Koffer runter – voller Autogrammkarten!“ –, ein Berliner Kindl jedoch bis in die Knochen, durchaus und immerdar.

Bald sammelten andere vermutlich Autogrammkarten von der „kleenen Blonden mit der großen Klappe“ und den nicht minder eindrucksvollen großen Augen. 1949 debütierte Edith Hancke in Ibsens „Wildente“ am Renaissance-Theater (Regie: Kurt Raeck) und war als Adelheid in Erich Engels Verfilmung von Hauptmanns „Biberpelz“ erstmals auf der Leinwand zu sehen. Mit dem Gütesiegel „Herz und Schnauze“ wurde das kesse Vokalwunder im leichten Fach und in der Boulevardkomödie rasch zu einem Star und – vielbeschäftigt und ungemein populär – zu einer wahren Volksschauspielerin. „Die Hancke“ trat in der Tribüne, im Schiller- und im Hansatheater auf, allesamt inzwischen längst geschlossen, auf den Kudamm-Bühnen und im Schlossparktheater. Sie gehörte zum Ensemble des legendären Kabaretts „Die Stachelschweine“, drehte erfolgreich für Kino („Ohne Krimi geht die Mimi nicht ins Bett“, 1962) und Fernsehen („Drei Damen vom Grill“, „Ein Mann für alle Fälle“), übernahm Synchronaufgaben, mit denen sie sich („Die Dinos“) auch jüngeren Filmfreunden einprägte. Sie stand mit Heinz Rühmann in „Der Hauptmann von Köpenick“ (1956) und mit Heinz Erhardt in „Natürlich die Autofahrer“ (1959) vor der Kamera. Als sie am Set des Edgar-Wallace-Films „Die seltsame Gräfin“ 1961 von Klaus Kinski allzu intensiv gewürgt wurde, verpasste Edith Hancke ihm in ihrer Not eine schallende Ohrfeige - was ihrer guten Zusammenarbeit nicht schadete, ansonsten war er nämlich er „ein sehr netter Kollege.“

Ulknudel vom Dienst und von der Spree

Mit Mitstreitern wie Bruni Löbel, Günter Pfitzmann, Harald Juhnke, Wolfgang Gruner, Horst Buchholz oder Wolfgang Spier zählte sie zu den Originalen, welche die Branche der leichten Muse im Berliner wie westdeutschen Kulturleben prägten. Aber während sie gern als Ulknudel vom Dienst und von der Spree besetzt wurde, träumte sie manchmal von Charakterrollen und tragischen Werken. Curt Flatow, in dessen Stücken wie „Mutter Gräbert macht Theater“ und „Das Fenster zum Flur“ sie brilliert hatte, nannte Edith Hancke einmal die „Duse vom Ernst – Reuter – Platz“. So hat sie in der Tradition einer Trude Hesterberg oder einer Grete Weiser die Kunst der Boulevardkomödie weiter entwickelt und als ernsthafte Berlinische Spezialität etabliert. Selbst eine heutige Kodderschnauze wie Desirée Nick bezog sich nicht erst in ihrem Programm „Ein Mädchen aus dem Volk“ (2009) auf die immergrüne Edith Hancke und deren Status als waschechte Volksschauspielerin.
Am Donnerstag ist die ewige Jöre im Alter von 86 Jahren in einem Berliner Krankenhaus gestorben.