Seine Autobiografie „Verloren im Paradies“ begann Elmar Faber damit, was er, der 1934 in ein verarmtes Glasbläserdorf im Thüringer Wald hineingeboren war, alles hat von der Welt sehen können: die Chinesische Mauer wie den Petersdom, den Kreml wie die Golden Gate Bridge.

Diese Leuchtpunkte auf der Weltkarte wollte er aber nicht aufwiegen gegen den Ort seiner Kindheit. Vielleicht hat er sich auch deshalb nie den thüringischen Dialekt abtrainiert. Und wenn er schreibt, „Es war die Großmutter, die den Kindern, den Enkeln, die Lichter aufsteckte“, meinte er damit nicht etwa weihnachtlichen Kerzenschmuck, sondern den Stapel Bücher, aus dem sie winters vorlas. Er sollte ein Büchermensch werden, der bekannteste Verleger in der DDR. Am Sonntag ist er in Leipzig im Alter von 83 Jahren gestorben.

Nach dem Studium der Germanistik in Leipzig, bei Ernst Bloch, Werner Krauss und Hans Mayer, war Fabers erste Station im Verlag das Bibliographische Institut, in dem vor allem Lexika erschienen. 1975 übernahm er die Leitung des Verlags Edition Leipzig, der großformatige Kunstbücher, Faksimiledrucke und besonders gestaltete Bildbände herausgab, die vor allem exportiert wurden.

Fabers Westkontakte rührten daher, sie halfen ihm auf den Buchmessen, als er 1983 Chef von Aufbau wurde. Sie machten ihn interessant auch für das Ministerium für Staatssicherheit, das bei ihm anfragte, doch er lehnte drei Mal die Zusammenarbeit ab. Faber stellte sich vor seine Autoren wie Christa Wolf, Erwin Strittmatter, Hermann Kant, Helga Königsdorf. Legendär ist, dass er trickreich er den Roman „Horns Ende“ von Christoph Hein 1985 ohne die Genehmigung des Kulturministeriums druckte – als wäre es ein Versehen gewesen.

Vater und Sohn stellten Betrieb ein

Aufbau galt (neben Volk und Welt, der internationale Autoren publizierte) als der Literaturverlag der DDR, mit Klassikerausgaben, mit großen Autoren des 20. Jahrhunderts wie Lion Feuchtwanger, Arnold Zweig, Anna Seghers. Hier konnte Gerhard Wolf nach langen Kämpfen „Außer der Reihe“ ab 1988 die Werke unangepasster Autoren wie Reinhard Jirgl unterbringen.

Mit dem Ende der DDR stand das Schicksal aller Verlage im Osten auf der Kippe. Faber legte ein Taschenbuchprogramm auf, um von den Lizenzen zu profitieren. Als es darum ging, einen Investor für das nicht mehr vom Staat unterstützte Haus zu finden, ahnte er, dass es kein Mann aus der Verlagsbranche sein dürfte. Denn sonst würde das Unternehmen schnell geschluckt, wie man es in der Wirtschaft oft gesehen hatte. Bernd F. Lunkewitz aus Frankfurt am Main, mit Immobilien reich geworden, literaturinteressiert, kam und investierte. Freunde wurden sie nicht.

1992 gründete Elmar Faber in Leipzig mit seinem Sohn Michael den Verlag Faber & Faber, mit typographisch auffälligen Büchern und einer „DDR-Bibliothek“. Die brachte einige Bücher, die einst umstritten waren, wieder auf den Markt, von Heiner Müller, Volker Braun, Alfred Wellm. Als Elmar Faber 75 Jahre alt wurde, stellten Vater und Sohn den Betrieb ein, „vorerst“, wie es damals hieß.