Nachruf auf Herbert Ehrenberg: Der Gründer der Künstlersozialkasse

Eine gewisse Dickschädeligkeit war ein wichtiger Bestandteil seines politischen Stils, der wohl auch aus der Erfahrung herrührte, dass gewerkschafts- und sozialpolitische Erfolge mit Sanftmut allein nicht durchzusetzen sind. Als Angehöriger der sogenannten Flakhelfer-Generation (Jahrgang 1926) war der gebürtige Ostpreuße Herbert Ehrenberg nicht zuletzt ein typischer Vertreter jener politischen Pragmatiker, die nach dem Krieg dem bundesrepublikanischen „Modell Deutschland“ nachhaltig ihren Stempel aufdrückten.

Der Gewerkschafter Ehrenberg reüssierte in der SPD zunächst als zuverlässiger Ministerialbeamter im Wirtschaftsministerium und war bald darauf eine Stütze von Willy Brandt während dessen Kanzlerschaft. Sein Aufstieg gipfelte jedoch in der Regierungsmannschaft von Helmut Schmidt, für den Ehrenberg von 1976 bis zum Beginn der Ära Kohl 1982 Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung war.

Im Alter von 91 Jahren gestorben

Herbert Ehrenberg, der im Alter von 18 Jahren allem Anschein nach der NSDAP beigetreten war, galt als Mann mit festen sozialdemokratischen Überzeugungen. Aber mehr als das, bedurfte es auch einer großen Portion politischen Fingerspitzengefühls, um schließlich 1981 ein Gesetzeswerk zu verabschieden, das heute als Ehrenbergs kulturpolitisches Vermächtnis angesehen werden kann.

Zusammen mit dem SPD-Kollegen und Schriftsteller Dieter Lattmann überführte Ehrenberg den Gedanken, dass der Staat sehr viel mehr für die soziale Absicherung von Künstlern tun müsse, in ein bis heute vorbildliches System der Künstlersozialversicherung. Inzwischen sind mehr als 185.000 Kulturschaffende Mitglied der Künstlersozialkasse (KSK), die ihren Sitz in der Heimatstadt von Ehrenberg, in Wilhelmshaven, hat. Einem Bericht der Wilhelmshavener Zeitung zufolge ist Herbert Ehrenberg bereits am Dienstag vergangener Woche im Alter von 91 Jahren gestorben.