Jeder Ton geht durch und durch, ich bin der Ingo Insterburch“ lautete eine Liedzeile, mit der sich die vier Insterburger an der Grenze zu einem subtil-infantilen Humor gern selbst vorstellten. „Wir spielen auf den größten Bühnen, und nicht nur auf dem Klo“, heißt es darin. Und das stimmte für die späten 60er-Jahre ganz zweifellos, in denen Interburg & Co. (die da waren: Karl Dall, Jürgen Barz, Peter Ehlebracht und Ingo Insterburg) die abgebrochene Speerspitze der Berliner 68er-Bewegung bildete.

Die Insterburger verknüpften anarchisches Kabarett mit skurriler Liedkunst, für die der Begriff des Blödel-Barden erst erfunden werden musste. In künstlerischer Hinsicht darf man ohne Übertreibung behaupten, dass es Insterburg & Co. waren, die einer unumstrittenen Branchengröße wie Otto Waalkes erst den Weg bereitet hatten.

Die Westberliner Insellage war ein gutes Pflaster für kleine Klubs, aus denen eine sich rasch entwickelnde Liedermacherszene hervorging, die keine Berührungsängste hatte zu einem unbedingten Willen, puren Nonsens zum Vortrag zu bringen, der sich in Zeilen wie diesen artikulierte: „Hast Du Schnupfen in der Nase/hol’ ihn raus/auch auf der Straße.“ Die Wege von Ulrich Roski, dem Duo Schobert & Black, aber auch Hannes Wader und Reinhard Mey kreuzten sich nicht nur auf der Bühne, sondern auch in Berliner Kneipen, die zu jener Zeit bekanntlich nicht schließen mussten.

Fröhlicher Dilettantismus

Insterburg & Co. waren, wenn man so will, eine Art Entlastung vom Straßenkampf, der in der Rückschau auf das Jahr 1968 als beliebte Freizeitbeschäftigung junger Menschen heraufbeschworen wird. Die Insterburger aber reimten, zupften und fiedelten einfach drauflos und reklamierten so für sich einen fröhlichen Dilettantismus, der zugleich die Geburtsstunde einer Kleinkunst markierte, die doch so viel reicher war als die heute Version des Comedian.

Ingo Insterburg, der eigentlich Ingo Wetzker hieß und 1934 im ostpreußischen Insterburg zur Welt kam, studierte vor dem Mauerbau Kunstpädagogik in Berlin und begleitete ab 1959 als Guitar-Ingo den Schauspieler Klaus Kinski bei dessen Programm mit Brecht-Liedern auf der Gitarre. Als Multitalent, der schrieb, malte und zahlreiche Instrumente nicht nur spielte, sondern auch selbst baute, war die dienende Rolle an der Seite eines Exzentrikers nicht von Dauer.

Ingo Insterburg gab den schrägen Vogel, und die echten Insterburg-Fans, die seinen größten Hit „Ich liebte ein Mädchen“ auswendig können, mochten sie nie so recht damit abgeben, dass Karl Dall als einziger des hinreißenden Quartetts eine Solo-Karriere machte. Ingo Insterburg aber schien damit ganz zufrieden zu sein. Er lief Marathon und war Ehrenmitglied im deutschen Vegatarierbund. Nun ist er im Alter von 84 Jahren in Berlin gestorben.