Es dürfte nur wenige deutsche Bands geben, die 1964 gegründet wurden und immer noch aktiv sind. Norbert Jäger, Jahrgang 1945, gehörte zur ersten Besetzung der Stern-Combo Meißen. Weil er Little Richard auf dem Klavier spielen konnte, nahm ihn der Trommler Martin Schreier mit in seine Band.

Bei seiner Arbeit im VEB Turbowerke Meißen pflegte Norbert Jäger gute Kontakte zur Werkstatt und so bastelte er sich eigene Lichttechnik und einen Verzerrer, den die Combo beim Stück „My Friend Jack“ von der englischen Band The Smoke einsetzte. 1971  schrieb Jäger den Meißenern ihren ersten deutschen Radiosong. „Ein Tag in der Stadt“, sieben Minuten lang, in einer Neun-Mann-Besetzung eingespielt und gesungen von der jungen Musikstudentin Veronika Fischer.

Keyboards statt Bläser

Große, ins Symphonische ausufernde Nummern sollten viele Jahre lang die Spezialität der Band bleiben – statt der Bläser machten nun die Keyboards die Musik. Norbert Jäger überließ dem begabteren Thomas Kurzhals die Tasten, übernahm dafür die Percussion und sorgte mit für den immer aufwendigeren Sound der Band.

Für den Klassiker „Kampf um den Südpol“ schuf der Tüftler die markanten Windgeräusche. Zum Klang eines Rauschgenerators, der in einem Synthesizer steckt, schüttelte er ein Aluminiumblech, an dem ein kleines Mikrofon klebte. In den Konzerthallen des Ostens wirkte dieser Quadrosound ziemlich beeindruckend.

Sänger und Texter

In der klassischen Hochphase der Band Mitte bis Ende der Siebzigerjahre wirkte Norbert Jäger auch als Sänger von Titeln wie „Der Alte auf der Müllkippe“ und er profilierte sich als Texter. Als die Band sich bei der Plattenaufnahme des Konzeptalbums  „Weißes Gold“ mit Stammautor Kurt Demmler zerstritt, schrieb Norbert Jäger eine singbarere Version und musste gegen Demmler einen der größten Urheberrechtsprozesse der DDR führen. Da die Firma Amiga die fertig gepresste Platte nicht wegwerfen wollte, einigte man sich auf einen Kompromiss.

Der Songzyklus über die Geschichte des Meißners Porzellanerfinders Böttger war für den Meißner Norbert Jäger ein Höhepunkt – die Platte erreichte sogar Fans in Südamerika. Für das Album „Der weite Weg“, auf dem die Band straffere Songs spielte, schrieb Jäger die meisten Texte, darunter das Titelstück, das den ewigen Forschergeist des Menschen feierte.

Fernöstliche Klänge

Danach musste er allerdings zur Armee einrücken und kam nicht mehr zur Stern-Combo-Meißen zurück, die sich inzwischen stärker dem Pop verschrieben hatten. Norbert Jäger suchte seinen Weg bei Musikprojekten mit fernöstlichen Klängen, etwa bei den Gruppen Bayon oder Yatra, er war als Percussionist sehr gefragt. Als die Stern-Combo 1996 mit ihren klassisch inspirierten Großwerken ein Comeback startete, war  Jäger als Gründungsmitglied  wieder dabei und spielte noch mal fünfzehn Jahre mit, bevor er sich 2011 zurückzog.

Zwei prägende Köpfe der Stern-Combo Meißen, der Sänger Reinhard Fißler und der Keyboarder Thomas Kurzhals, sind in den letzten Jahren bereits verstorben. Am Freitag folgte ihnen Norbert Jäger, der vielseitige Musiker, der meist im Hintergrund agierte. Er wurde 71 Jahre alt.