Robert Spaemann wurde am 5. Mai 1927 in Berlin geboren. Seine Eltern wurden 1930 katholisch. 1942 wurde Vater Heinrich Spaemann, nach dem Tod der Mutter Robert Spaemanns, Priester. Der spätere Philosophieprofessor – in Stuttgart, Münster und München – wuchs auf als „Sohn des Kaplans“. 

Er war Gegner der Wiederbewaffnung und auch ein scharfer Kritiker der Atomenergie. Als Kern seines Konservativismus erschien darum vielen seine Entschlossenheit zur Bewahrung der Schöpfung. Der Christ, so Spaemann, muss allem „Lebendigen zubilligen, etwas zu sein jenseits des Begriffs, den ich von ihm habe.“ Solche Ansichten rückten ihn immer wieder in die Nähe grüner Positionen.

Die Sexualisierung unserer Lebensverhältnisse war in Robert Spaemanns Augen Sünde. Womöglich noch schlimmer schienen ihm Abtreibung und der Wunsch Homosexueller, sich zu verheiraten. Dem Papst im Ruhestand, Benedikt XVI, stand er näher als Papst Franziskus.

Abscheu gegenüber jeder Ideologie der Machbarkeit

Man übertreibt nur wenig, wenn man den spezifischen Charakter der Baden-Württembergischen Grünen und den Erfolg, den sie dort gerade auch in konservativen Milieus haben, bezieht auf die öffentliche Präsenz Spaemanns und seinen in vielen Medien vertretenen Abscheu gegenüber jeder Ideologie der Machbarkeit. Spaemann beschäftigte sich in seiner Dissertation mit dem französischen christlich-konservativen Staatstheoretiker Louis-Gabriel-Am-broise de Bonald, einem Ultraroyalisten. Ein dezidierter Feind der Demokratie.

Spaemanns Habilitation über Erzbischof Francois Fénelon (1651–1715) wird nächstes Jahr im Rahmen der Gesamtausgabe neu aufgelegt werden. Fénelon, der um den rechten Glauben und gegen Ludwigs XIV. aggressive Außenpolitik, seinen Luxus und sein Lotterleben kämpfte, war ein frommer Aufklärer. Das war eine Position, mit der sich Spaemann lange identifizierte.

Blinde Flecken und taube Stellen

Er hat auch wesentlich dazu beigetragen, dem Begriff „konservativ“ eine neue Prägung zu geben. Das scheint ein Widerspruch in sich. Aber in ihm bewegt sich alles Leben. Wer seinen Gottesglauben nicht nachvollziehen konnte, wer die Hände über dem Kopf zusammenschlug, als er Schwulenehen verurteilte, weil sie gegen die Lehre der Kirche und gegen die Christi verstoßen, der tat trotzdem gut, ihm zuzuhören.

Wir alle haben blinde Flecken und taube Stellen. Gerade die Aufgeklärten bedürfen der Aufklärung. Spaemann konnte einem das vielleicht nicht bei-, aber doch nahebringen. Wer mehr von ihm wissen will, der lese: „Über Gott und die Welt – Eine Autobiographie in Gesprächen“. Robert Spaemann ist am 10. Dezember mit 91 Jahren in Stuttgart gestorben.