Robin Williams konnte mit Wortkaskaden Welten herbeizaubern – wie als Originalstimme des Lampengeistes in dem Disney-Film „Aladdin“. Tatsächlich war er in diesem Zeichentrickfilm weit mehr als nur ein Sprecher: Die Dialoge wurden von ihm weitgehend improvisiert und bescherten den Zeichnern 16 Stunden Ausgangsmaterial für ihre Animationen. Eine Oscar-Nominierung für die „Beste Nebenrolle“ lehnte er indes bescheiden ab – er sei ja nicht zu sehen gewesen.

Manchmal, wie am Ende von „Garp und wie er die Welt sah“, reichte Robin Williams aber auch nur ein einziges Wort, um den für ihn so typischen schmunzelnden Ernst zu erzeugen. „Remember“ – „Erinnere Dich“, flüsterte da sein von einem Pistolenschuss schwer verletzter Held der geliebten Ehefrau zu. Auf die Gegenfrage, „An was denn, mein Liebster?“ haucht er nur zurück: „Everything“– „An alles“. So geht es uns jetzt, wenn wir auf seine Karriere blicken. Soviel gibt es da zu erinnern.

Als Kinder der 1970er-Jahre wussten wir vielleicht nicht, was eine Sitcom im Fernsehen ist. Aber wir kannten „Mork vom Ork“, den Außerirdischen, der per Handauflegen Bücher lesen konnte. Robin Williams spielte ihn in einer merkwürdig alterslosen Kindlichkeit, die fortan sein Markenzeichen bleiben sollte. Möglich, dass sie ihm selbst irgendwann ein Fluch gewesen ist. Aber in einer Zeit, als das amerikanische Unterhaltungskino den Anspruch und den Ehrgeiz des New Hollywood gegen größtmögliche Familientauglichkeit eintauschte, war Williams eben der Mann der Stunde.

Robert Altman sah in seinem runden Gesicht die ideale menschliche Verkörperung des Comic-Helden „Popeye“, ein unterschätzter Leinwandflop, der den jungen Komiker nicht stoppen konnte. Auch die John-Irving-Verfilmung „Garp“ war nicht gerade ein Kassenschlager, doch die Titelrolle bot genug Zwischentöne, um in dem Fernsehstar mehr als „bloß“ einen Komiker zu sehen. Aber wie viele Komiker gibt es überhaupt vom Rang eines Robin Williams?

„Komödie heißt Optimismus ausspielen“

Wer das amerikanische Kino liebt, konnte ihn als Nachfahren von Jack Lemmon und Danny Kaye betrachten. Wie diese erdete er seine Rollen oft mit einer Wärme, die mit einem politischen und sozialen Bewusstsein einherging. Auch wenn der 1951 in Chicago geborene Williams den Plan, Politikwissenschaften zu studieren, früh für das Theater eintauschte, engagierte er sich in verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen.

„Komödie heißt Optimismus ausspielen“, sagte Williams einmal, was auch heißen konnte: Diesen Optimismus musste man erst einmal aufbringen. Seine Abgründe bekannte er stets offen: Den Alkoholismus, von dem er seit 1983 als geheilt galt, bis er 2003 einen Rückfall erlitt. Seinen Drogenkonsum („Kokain ist Gottes Art, dir zu sagen, dass du zu viel verdienst“) und schließlich eine schwere Depression, die ihn nun – so muss man nach den ersten polizeilichen Meldungen annehmen – in den Suizid trieb. Im Alter von 63 Jahren wurde er am Montagabend in seiner Wohnung in Tiburon im kalifornischen Marine County tot aufgefunden.