Den undurchsichtigen Rebellen spielte Peter Fonda nicht nur in seinen Filmen. Bei einem Berlin-Besuch in den 60er-Jahren hat er sich, so berichtete er einmal mal in einem Interview, derart über den Bau der Berliner Mauer empört, dass er an selbige uriniert habe. Noch ehe die verblüfften Grenzbeamten wussten, wie sie darauf reagieren sollte, habe er gesagt: „Ich fahre jetzt dadurch, Ihr könnt mich ja erschießen.“ Diese trotzige Unangepasstheit war einerseits Protest und Pose mit der Bereitschaft zum Risiko. Darüber hinaus drückte sich in ihr auch ein permanenter Aufruhr gegen den als übermächtig empfundenen Vater aus.

Peter Fonda wurde 1940 in New York als Sohn des amerikanischen Western-Schauspielers Henry Fonda geboren, seine Mutter hatte sich 1950 das Leben genommen. Fonda sah seinem Vater nicht nur sehr ähnlich, er gab später auch der schroff-abweisenden Art, die Henry Fonda als Schauspieler berühmt gemacht hatte, ein neues Gesicht. Aber bereits als junger Bühnenschauspieler hatte er erfahren müssen, dass dessen Berühmtheit auch eine Belastung war.

„Easy Rider“: Peter Fonda an der Seite von Jack Nicholson

Sich aus dem Schatten des Vaters zu befreien, mag schwer gewesen sein, den Erfolg des Filmes „Easy Rider“ hinter sich zu lassen aber war unmöglich. Der eher handlungsarme, entropisch-zerfasernde Film aus dem Jahr 1969 lieferte die Bilder zum Freiheitsbedürfnis des jungen Amerika vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs. Peter Fonda war an der Seite von Jack Nicholson und Regisseur Dennis Hopper nicht nur Darsteller des Motorradfreaks Captain America, sondern auch Mitproduzent und Co-Autor. „Easy Rider“ erzählt die Geschichte von zwei Aussteigern, die mit ihren Chopper-Maschinen quer durch die USA fahren, um einen Traum zu leben, den sie schließlich als Alptraum erfahren. Zur Musik der Band Steppenwolf („Born To Be Wild“) lassen sie sich den Wind der Prärie um die Nase wehen. Sie begegnen der Gegenkultur der Hippies, aber auch dem Hass der sozial gespaltenen USA.

Die anziehenden Sehnsuchtsbilder von „Easy Rider“ gaben der Idee eines New Hollywood, zu dem auch der kürzlich gestorbene Regisseur D. A. Pennebaker gehörte, ikonographisch die Richtung vor. „Easy Rider“ brach aus der typischen Erzählstruktur eines Hollywood-Films aus, und Fonda und Hopper setzten auch im Nebeneinander von Produktion, Darstellung und Regie neue Maßstäbe. Dazu passt die Geschichte des Songs „The Ballad of Easy Rider“, für den Bob Dylan die Anfangszeile („The river flows, it flows tot he sea,whereever that river goes, thats whre I want to be“) geschrieben hatte, dessen Fertigstellung er aber seinem Freund Roger McGuinn von den Byrds überließ.

Peter Fonda hörte nicht auf, Filme zu drehen

Nach „Easy Rider“ spielte Peter Fonda in zahllosen Filmen, die aber nicht mehr die Aufmerksamkeit des seltsamen Jahrhundertfilms erreichten. Für seine Rolle in „Ulees`s Gold“ aus dem Jahr 1997 wurde Fonda noch einmal für einen Oscar nominiert. Er spielt darin einen verbitterten Bienenzüchter, der eine Nickelbrille trägt, wodurch er seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten schien. Für den Film „Wanda Nevada“ aus dem Jahr 1979 hat Peter Fonda seinen Vater für eine Gastrolle verpflichtet, in der er den Sohn gleich zu Beginn autoritär zurechtweist.

Trotz eines deutlichen Abflauens der Karriere hat Fonda nie aufgehört, Filme zu drehen und vor der Kamera zu agieren. In dem Film „Peppermint Frieden“ (von der deutschen Regisseurin Marianne Rosenbaum aus dem Jahr 1983) spielt er einen amerikanischen Soldaten im Nachkriegsdeutschland, übrigens an der Seite von Liedermacher Konstantin Wecker.

Peter Fonda war dreimal verheiratet und hat zwei Kinder. Eine enge familiäre Bindung hat er stets zu seiner älteren Schwester Jane Fonda unterhalten, die wie seine Tochter Bridget Fonda auf eigene große Schauspielkarrieren zurückblicken können. In dem Film „Jackie Brown“ von Quentin Tarantino gibt es eine Szene, in der Bridget Fonda die Fernsehprogramme durchzappt und dabei auf eine Szene mit Peter Fonda aus „Easy Rider“ stößt. Fonda hat diese kleine Hommage sehr gefallen. Am Freitag ist Peter Fonda im Alter von 79 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung in Los Angeles gestorben.