Für leise Zwischentöne war sie nicht zu haben. Wenn Hannelore Elsner in eine ihrer zahlreichen Filmrollen schlüpfte, wurde sie ganz zu der Person, die sie verkörperte. Und eine buchstäbliche Ergriffenheit streifte sie auch dann nicht ab, wenn sie, zum Beispiel in Interviews, über ihre Arbeit sprach. Ihr Engagement für einen neuen Film brachte sie auf beinahe körperliche Weise zum Ausdruck. Hannelore Elsner war ein unruhiger Geist, gestenreich, immer in Bewegung und mit hellwachem Blick. Dabei verstand sie es wie kaum eine andere, diese Unruhe produktiv zu machen.

Hannelore Elsner hatte ihr Debüt mit „Freddy unter fremden Sternen“

Die 1942 im oberbayerischen Burghausen geborene Hannelore Elsner stand bereits mit 17 vor der Kamera, ihre Attraktivität, die man damals mit dem Wort Sexappeal kennzeichnete, schien es ihr leicht zu machen, das Interesse von Regisseuren und Produzenten zu binden. Das war allerdings keineswegs nur zu ihrem Vorteil, denn zum Angebot jener Zeit gehörte leider die ganze Palette des Elends des deutschen Films in den 50er- und 60er-Jahren.

Sie debütierte als Partnerin von Freddy Quinn in „Freddy unter fremden Sternen“ und wirkte an der Seite von Unterhaltungsstars wie Peter Alexander, Beppo Brem und Georg Thomalla mit, später trat sie auch in Paukerfilmen wie „Die Lümmel von der ersten Bank“ auf.

Als erste Schauspielerin aus dem Westen trat sie in einer Defa-Produktion auf

Die lange Liste ihrer filmischen Engagements bringt zweifellos ihre schöpferische Rastlosigkeit zum Ausdruck, aber sie verdeckt keineswegs Hannelore Elsners kreative Neugier. Als erste Schauspielerin aus dem Westen trat sie 1973 in der Defa-Produktion „Aus dem Leben eines Taugenichts“ in der Rolle einer Gräfin auf. Der Film von Celino Bleiweiß ist nach Motiven der gleichnamigen Eichendorff-Novelle entstanden, lebt aber atmosphärisch von einem Freiheitsbestreben, das in der Entstehungszeit des Filmes für Ost und West gleichermaßen typisch war.

Spätestens jetzt wurden auch die Filmemacher des neuen deutschen Films auf Hannelore Elsner aufmerksam. In „Berlinger“ (1975) von Alf Brustellin und Bernhard Sinkel, der weit zurückreicht in die dunklen Kapitel der deutschen Geschichte und deren Fortwirken, spielt sie neben Martin Benrath, Martin Lüttge, Thilo Prückner und anderen, die auch in darstellerischer Hinsicht das einheimische Kino erneuerten. Mit Alf Brustellin, der 1981 bei einem Autounfall starb, war Elsner mehrere Jahre liiert, mit dem Regisseur Dieter Wedel hat sie einen Sohn.

Als Schauspielerin schien Hannelore Elsner nun mühelos der Spagat zwischen ambitioniertem Autorenfilm und herkömmlicher Serienproduktion zu gelingen. Zahllose Auftritte in Krimireihen wie „Der Kommissar“, „Dem Täter auf der Spur“ und „Tatort“ wechselte sie nun gekonnt mit komödiantisch-zuspitzenden Rollen ab, etwa in Michael Verhoevens „Der Bettelstudent oder Was mach’ ich mit den Mädchen?“, der an die libertäre Schwabing-Komödie „Zur Sache Schätzchen“ anschließt.

Hannelore Elsners größter Publikumserfolg war wohl die Rolle der „Kommissarin“

Mit der Regisseurin Heide Genée, die bereits den Filmschnitt für „Berlinger“ gemacht hatte, arbeitete Elsner dann auch in „Grete Minde“ (1977) zusammen, eine Literaturverfilmung nach einem von Theodor Fontane bearbeiteten historischen Stoff. Kurioserweise war ihr größter Publikumserfolg dann wohl ihre Titelrolle in der Serie „Die Kommissarin“, die sie für mehr als zwölf Jahre zwischen 1994 und 2006 als Star einer Vorabendserie reüssieren ließ.

Zwischendurch jedoch übernahm sie eine Rolle, nach der sie auch von einem größeren Kinopublikum als bewundernswerte Charakterdarstellerin angesehen wurde. In Oskar Roehlers abgründigem, stark autobiografischen Film „Die Unberührbare“ (2000) spielt Hannelore Elsner die nicht mit ihr verwandte Schriftstellerin Gisela Elsner, die Mutter Oskar Roehlers.

Die Namensgleichheit war ein kurioser Zufall, der aber nur jene Intensität verstärkte, die sie in jeder Sekunde des Films auf die Leinwand bringt. Danach erschien Hannelore Elsner selbst ein wenig unberührbar.

In ihrer Autobiografie erzählt die Schauspielerin die Geschichte einer Kriegskindheit in Bayern

Die Medien hielt sie dadurch auf Distanz, dass sie dem Image einer Diva entsprach, das sie jedoch umgehend ablegte, wenn es darum ging, über Dinge zu berichten, die ihr wirklich wichtig waren. Was dazugehört, konnte man ab 2011 auch in ihrer Autobiografie „Im Überschwang. Aus meinem Leben“ nachlesen. Hannelore Elsner erzählt darin auch die Geschichte einer Kriegskindheit in Bayern, in der sie weitgehend vaterlos aufwachsen musste.

Vielleicht war ihr die dramatische Tiefe der „Unberührbaren“ selbst nicht ganz geheuer. Und als sei es ein willkommenes Gegenprogramm, glänzte sie neben Henry Hübchen 2004 in der schräg-hintersinnigen Komödie „Alles auf Zucker“ von Dani Levy. Dass sie natürlich auch Zwischentöne hervorzubringen versteht, bewies Hannelore Elsner in Doris Dörries Film „Kirschblüten – Hanami“ von 2008, dessen Geschichte vom Leben und Sterben zweier Liebenden erzählt.

Am Ostersonntag ist Hannelore Elsner nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren in München gestorben.