Hans Barlach, langjähriger Miteigentümer des Suhrkamp Verlags, berühmt geworden durch die erbitterte Schlacht um die Führung des Verlags, ist tot. Barlach starb mit 59 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung. Er war ein Enkel des Bildhauers Ernst Barlach. Nach dem Schulabbruch verwaltete er das Erbe seines Großvaters und führte in den 80er Jahren die Farbbadgalerie in Hamburg.

Als Projektentwickler und Immobilieninvestor sanierte Barlach das historische Süllberg-Hotel in Blankenese, wobei ein denkmalgeschützter Turm einstürzte. In Berlin investierte er in der Oranienburger Straße in die Gewerbe- und Wohnanlage KunstHofBerlin.

Als Medienunternehmer stieg Barlach vorübergehend in die „Hamburger Morgenpost“ und bei der Zeitschrift „TV Today“ ein. In Richtung nationale Bühne verließ er die Hamburger Society, in der er eine ziemlich elegante Rolle spielte, aber erst mit der Übernahme von 29 (später 39) Prozent Anteilen am Suhrkamp Verlag, die er von dem Schweizer Unternehmer Andreas Reinhart 2006 kaufte.

Es dauerte nicht lange und die beiden Suhrkamp-Gesellschafter Ulla Berkéwicz-Unseld, Witwe des einstigen Verlagspatrons Siegfried Unseld, und Hans Barlach als Seiteneinsteiger und Emporkömmling überzogen sich gegenseitig mit Klagen. Hans Barlach verklagte die Suhrkamp-Chefin wegen Veruntreuung und beanspruchte den Eintritt in die Verlagsleitung. Suhrkamp wehrte sich gegen den Minderheitseigner juristisch, aber auch mit einem Mittel, dem Barlach nichts entgegenzusetzen hatte: die ungehemmte Wortgewalt der Schriftsteller, ausgelöst durch die Sorge, der Verlag, das Wahrzeichen der intellektuellen Nachkriegskultur der Bundesrepublik, verkäme zum Spekulationsobjekt.

Jurageschichte geschrieben

Da handele „ein von Grund auf Böser, ein Abgrundböser, ein Unhold“, schrieb zum Beispiel Peter Handke. Zur geballten Wortmacht der Autorenelite kam juristische Raffinesse: Barlachs vor Gericht erfolgreiche Forderung auf Auszahlung von 2,2 Millionen Euro Gewinnanteil, wurde zum Pyrrhussieg.

Suhrkamp ging daraufhin in eine „Insolvenz in Eigenregie“, aus der Ulla Unseld-Berkewicz in einem Verfahren, das sofort Jurageschichte machte, siegreich hervorging. Der Verlag wurde Aktiengesellschaft und Barlach damit faktisch entmachtet.

Die schrillen Töne, die Überzeugung, im jeweils anderen das Böse schlechthin zu sehen, wie ein damit befasster Richter erschüttert erkannte, und schließlich die ausgefuchsten taktischen Winkelzügen, machten den jahrelangen Streit zur öffentlich geradezu genossenen „Suhrkamp-Soap“.