Das Jahr 2016 beraubt uns der Helden unserer Kindheit und Jugend. David Bowie, der uns überhaupt das schillernde Rollenspiel beibrachte – tot. Götz George, der das Wunder vollbrachte, als Deutscher ein Westernheld und waschechter Cop zu werden – vor wenigen Tagen gestorben.

Und nun noch so einer, den man sonntags im Stadtteilkino sah, nein, den man gemeinsam mit seinem Kumpel und Landsmann Terence Hill sehnsüchtig erwartete mit jedem neuen Film, in dessen Titel schon programmatisch die Fäuste flogen – das genaue Gegenbild zum schmächtigen, schmelzend blauäugigen Hill: Nun ist auch Bud Spencer tot.

Dieser bullige, vierschrötige, gutmütige und dennoch schlagkräftige und schlagfertige Typ, der „Vier Fäuste für ein Halleluja“ schwang und der es sich gefallen lassen musste, dass man ihn als „Plattfuß“ und „Himmelhund auf dem Weg zur Hölle“ bezeichnete. Dieser Bud Spencer, der erst über gehörige Umwege zu dem wurde, als der er sich der Historie der Kinowelt mit gewaltigen Hieben einschrieb: 1929 wurde er in Neapel geboren, als Sohn eines Industriellen und unter dem Namen Carlo Pedersoli. Carlo schwammgut, ein breites Kreuz besaß er ja, und er studierte in Rom Jura, unterbrochen von einer Arbeiterepisode in Südamerika. Er schloss dann doch sein Studium ab, er schwamm, und er gewann sieben Mal in Folge die italienische Meisterschaft.

Dieses sportive Element war auch ein Kennzeichen seiner späteren Laufbahn als Schauspieler, die er publikumswirksam damit begann, dass aus Carlo Bud wurde. Die Wiedergeburt begann nach kleineren Rollen und Ausflügen ins Musikgeschäfte mit dem Aufkommen des italienischen Spaghetti-Westerns, mit einer Rolle in „Gott vergibt – Django nie“, einem Film, in dem er vor allem dank der Kontakte seiner damaligen Ehefrau zum Regisseur Guiseppe Colizzi landete und der ihn bereits an die Seite von Terence Hill brachte. Es war der Beginn einer wunderbar lukrativen Freundschaft. Gemeinsam prügelten sie sich fortan durchs Popcorn-Kino.

Die 70er- und 80er-Jahre waren die Goldene Zeit für das ungleiche Duo. Ihre Kalauer erreichten Schulhof-Popularität, ihre Schlägereien waren legendär, und irgendwie waren die beiden auch cool – unbesiegbar, dabei auf lustige Art. Bis ins hohe Alter blieb Bud Spencer der Schauspielerei treu, auch wenn er längst aus dem Rampenlicht verschwunden war. Er übernahm kleinere Rollen an der Seite weiterer etwas ausrangierter Stars wie Philip Michael Thomas aus „Miami Vice“, und er übernahm sogar ernste Rollen wie in dem Autorenfilm„Padre Speranza. Mit Gottes Segen“, seinem letzten Filmauftritt im Jahr 2005.

Er war ein Typ, ein Kumpel, einer, mit dem man glaubte, durch dick und dünn gehen zu können, und das hat er am glaubwürdigsten mit Terence Hill gezeigt. Bud Spencer wurde 86 Jahre alt. Er sei am Montag friedlich eingeschlafen, bestätigte sein Sohn Giuseppe Pedersoli in Rom.