Ruth Klüger (1931–2020).
Foto:  imago/Müller-Stauffenberg

Bis Anfang der 1990er-Jahre hat Ruth Klüger sich als Literaturwissenschaftlerin in überschaubaren Kreisen bewegt, anerkannt und geehrt. Erst durch ihr Buch „Weiter leben. Eine Jugend“ wurde sie in der öffentlichen Wahrnehmung zu einer Überlebenden der Konzentrationslager von Theresienstadt und Auschwitz, die sie ja war. Diese Erinnerungen machten sie weltweit bekannt. Ihr Buch ließ die Nachgeborenen spüren, in welchem Maß die Erfahrung der Juden im Nationalsozialismus außergewöhnlich ist. Es machte einen gedanklichen Abstand deutlich zwischen Juden und Nichtjuden, der nur überwunden werden kann, wenn das Verbrechen des Holocaust benannt wird, und zeigte, welche schwere Bürde die Weiterlebenden mit sich schleppten. Ruth Klüger wurde eine wichtige Stimme der Aufklärung für unsere Gegenwart. Sie blieb zwar ihrem wissenschaftlichen Fach treu, aber sie sprach zum Beispiel auch am 27. Januar 2016 im Deutschen Bundestag zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

In der Nacht auf Dienstag ist Ruth Klüger im Alter von 88 Jahren nach langer Krankheit in Kalifornien gestorben. Das teilte am Mittwoch der Zsolnay-Verlag mit, in dem ihre letzten Bücher auf Deutsch erschienen waren, so auch der zweite Teil ihrer Autobiografie „Unterwegs verloren“. Ihre Stimme wird schmerzlich fehlen.

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