Innerhalb eines knappen halben Jahrhunderts hat sie es von der Portiersnichte zur Baronin gebracht. 1951, ganz am Anfang ihrer Karriere, war sie in Walter Felsensteins Inszenierung von Offenbachs „Pariser Leben“ an der Komischen Oper als Louise zu sehen, in einer kleinen Nebenrolle, die Felsenstein der eigentlich als Tänzerin ausgebildeten Susanne Düllmann angeboten hatte.

Wie es damals war, davon ist schwer Nachricht zu bekommen. Doch 1998, als Christoph Marthaler „Pariser Leben“ an der Volksbühne und bei den Wiener Festwochen inszenierte und Susanne Düllmann die Baronin Gondremarck spielte, da war es zum Niederknien!

Susanne Düllmann zitterte sich am Beginn des vierten Aktes mit dünner Stimme förmlich in ihre Arie „Ich hab heut Nacht Paris gesehen“ hinein, in der zarten alten Dame sah und hörte man das junge Mädchen, und wenn sie dann ganz kurzatmig und fast ungeschickt die Phrase „Ich bin berauscht von all der Pracht“ intonierte, dann war das ein Moment, in dem die Vergänglichkeit aller Schönheit spürbar wurde.

Susanne Düllmann, 1928 in Brieg (dem heutigen Brzeg in Polen) geboren, war nach frühen Engagements in Chemnitz und an der Komischen Oper 1956 an die Volksbühne gewechselt, die fortan ihre künstlerische Heimat blieb. Sie arbeitete dort mit Regisseuren wie Fritz Wisten, Fritz Marquardt und Benno Besson, sie weinte, als ihr letzterer eine kleine, ganz fein ausgearbeitete Szene im „Hamlet“ strich, und sie erlebte eine wunderbare Alterskarriere, als Frank Castorf sie nach der Wende in seinem Ensemble der jungen Wilden beließ.

In einer der unvergesslichsten Inszenierungen jener Jahre, in Marthalers „Murx den Europäer!“, sprach sie den ersten Satz („Du hast den Hund vergiftet!“) und ließ ihren so zerbrechlich wirkenden Körper unzählige Male auf Rollschuhen tanzen und ausrutschen. Am 11. August ist Susanne Düllmann, die man 1996 mit dem Titel der Staatsschauspielerin ehrte, in Berlin verstorben.