Sein Klang war weich und beschwingt und wirkte, als spielten alle Instrumente seines Orchesters dieselbe melodische Linie; wer genauer hinhörte, merkte jedoch, wie viele kleine Details und Kontraste in diesen Arrangements steckten und erst dafür sorgten, dass sie sich so geschmeidig und unverwechselbar lässig anhörten.

„Happy Sound“ nannte man das Genre, das James Last in den Sechzigerjahren zum erfolgreichsten deutschen Popmusiker machte. Mit seinem Orchester interpretierte er aktuelle Hits und unvergängliche Klassiker und blendete sie in hoch eklektischen Medleys wie ein früher Mash-Up-DJ ineinander: Stücke von den Beatles und den Rolling Stones vermischte er mit altdeutscher Stimmungsmusik und Schlagern – und mit heiteren Partygeräuschen, Stimmengewirr, Gläserklingen, Atmosphäre.

Wer im Westdeutschland der späten Sechziger- und Siebzigerjahre ein flottes Betriebs- oder Familienfest feiern wollte, kam um seine Platten nicht herum, sie hießen „Auf Last geht’s los“ oder „Happyning“, die meisten trugen den Titel „Non Stop Dancing“ mit einer Jahreszahl oder einer Seriennummer dahinter, über 25 Alben hat James Last im Lauf seiner Karriere unter diesem Etikett veröffentlicht.

80 Millionen Tonträger verkauft

Geboren als Hans Last 1929 in Bremen, begann er seine musikalische Karriere 1945 als Kontrabassist beim dortigen Tanzorchester, auch spielte er Anfang der Fünfzigerjahre mit Paul Kuhn und Max Greger in dem Jazz-Ensemble German Allstars. Nach einer längeren Zeit als Bassist beim Tanz- und Rundfunkorchester des NDR begann er 1963 mit seinem eigenen Ensemble für die Plattenfirma Polydor aufzunehmen und wurde dort binnen kurzem – nunmehr unter dem Künstlernamen James Last – zum Star.

In den folgenden Jahrzehnten veröffentlichte er Dutzende von Platten und tourte mit seinem Orchester um die ganze Welt; und auch als seine Plattenfirma ihn in den Achtzigerjahren bereits abschreiben wollte, machte er unbeirrt weiter und füllte immer noch die großen Hallen – zu seinem 80. Geburtstag 2009 wurde er für über 80 Millionen verkaufte Tonträger geehrt.

Über 2500 Konzerte hat er wohl im Lauf seiner Karriere gegeben. Mehrfach kündigte er in den letzten Jahren seine Abschiedstournee an und machte dann doch immer weiter, in Berlin spielte er zuletzt im April in der Mehrzweckhalle am Ostbahnhof. „Meine Musik hält jung“, sagte er damals im Gespräch mit dieser Zeitung, „nicht nur mich, sondern auch mein Publikum“. James Last wurde 86 Jahre alt und doch mitten aus dem Leben gerissen. Am Dienstag ist er im Beisein seiner Familie in Florida gestorben.