Lange vor der großen Finanzmarktkrise, als die Globalisierung noch als Chance und nicht als Bedrohung wahrgenommen wurde, legte das ARD-Morgenmagazin ein Börsenspiel  auf, das die Fiktion des schnellen Geldes als Unterhaltungsstück offerierte. Ein Banker und ein Börsenexperte traten dabei gegen den Schauspieler Rolf Zacher an, der beim Kaufen und Verkaufen von Aktien auf Intuition anstelle von Sachverstand setzte.

Das alles war vollkommen ernst gemeint, und Zacher erlaubte sich den Spaß, das Spiel zu gewinnen. Der Instinktmensch war so frei, und Rolf Zacher musste kaum mehr tun, als einfach nur er selbst zu sein.

In dieser Rolle kannte er sich aus. Rolf Zacher hat in über 250 Filmen und Fernsehspielen mitgewirkt, aber in nur sehr wenigen schien er dabei einem Drehbuch zu folgen. Vielmehr drückte er den Filmen, für die er engagiert wurde, kurzerhand die Zacher-Rolle auf – unangepasste Verlierer, kleine Gauner, empfindsame Glückssucher und lebensfrohe oder auch lebensmüde Zocker.

Weil er die Gunst des Augenblicks liebte, konnte er als Künstler keine Zeit damit verschwenden, wählerisch zu sein. Zacher spielte in diversen Tatort- und Polizeiruf-Folgen, trat in der Vormittagsserie „Rote Rosen“ auf und spielte zusammen mit Manfred Krug in der Trucker-Serie „Auf Achse“. Die Kunst des beiläufigen Dabseiseins brachte ihn 1980 auch an den Set von Rainer Werner Fassbinders Döblin-Verfilmung „Berlin Alexanderplatz“.

Da hatte Rolf Zacher schon ein halbes Filmleben hinter sich. Im Alter von nicht einmal 20 hatte er neben Helmut Käutner in dem Film „Zu jung für die Liebe?“ debütiert, und Ende der 60er-Jahre reüssierte er in den populären Familienfilmen „Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“ und „Wenn süß das Mondlicht auf den Hügeln schläft“, jeweils nach Romanvorlagen des Bestsellerautors Eric Malpass.

Die erste echte Zacher-Rolle war dann aber die des Ganoven Henry Kirscher in Reinhard Hauffs „Endstation Freiheit“ aus dem Jahr 1980, wonach er später auch seine Autobiografie betitelte. Für seinen Auftritt in „Endstation Freiheit“ erhielt Rolf Zacher 1982 den Bundesfilmpreis, und seine rastlose Art, hier und dort aufzutauchen, brachte ihm Rollen in Manfred Stelzers „Schwarzfahrer“, Peter F. Bringmanns „Die Heartbreakers“ und Adolf Winkelmanns „Peng, Du bist tot“ ein, eigenwillige 80er-Jahre Komödien, die sich elegant zwischen Avantgarde und Mainstream ansiedelten. Ein Hauch von „nouvelle vage“ für die 80er-Jahre.

Im besten Sinne eines ernstzunehmenden Dilettantismus widmete sich Rolf Zacher auch musikalischen Projekten, mit der Neuauflage der legendären Krautrock-Band Amon Düül II war vorübergehend als Gastsänger auf Tournee. Rock ‚n‘ Roll war für Rolf Zacher aber mehr als nur Pose. „Danebenleben“ war der Titel einer Platte von 20114, ein Titel, der auch seine schauspielerische Existenz charakterisierte.

Die Kunst, alles leicht zu nehmen, hatte aber auch eine schmerzvolle Seite. Die Folgen eines schweren Verkehrsunfalls hatten ihn bereits Ende der 60er-Jahre in eine Drogensucht getrieben, auf die sich laut Selbstauskunft gleich Dutzendweise Entziehungsversuche anschlossen.

Einen seiner letzten öffentlichen Auftritte hatte Rolf Zacher vor zwei Jahren im RTL-Dschungelcamp, kurz danach zog der inzwischen an Demenz erkrankte, von vielen als Kultschauspieler verehrte, Rolf Zacher  in ein Hamburger Pflegeheim, wo der etwas andere Volksschauspieler nun im Alter von 76 Jahren gestorben ist.