Dr. Elfriede Fliethmann (1915-1987), Krakau, schreibt am 20. November 1942 an Dr. Dorothea Maria Kahlich (1905-1970), Wien, es sei leider aussichtslos „über verschickte Juden“ Auskunft zu bekommen. Die beiden Damen begleiten die Vernichtung der europäischen Juden wissenschaftlich. Frau Kahlich waren ihre Forschungsobjekte entrissen worden, bevor sie ihre Messungen hatte abschließen können. Das schmälert den Ertrag ihrer wissenschaftlichen Bemühungen. Also wendet sie sich um Unterstützung an die Kollegin Fliethmann in Krakau. Die kann ihr nicht helfen und meint: „Man muss wohl in dieser Sache dem Schicksal seinen Lauf lassen“. Wer auf die Daten achtet, der weiß, dass, als Elfriede Fliethmann an die Kollegin Kahlich schrieb, die von ihr nur unzureichend wissenschaftlich erfassten Juden bereits getötet waren, Jedenfalls waren sie seit dem 27. Oktober im Vernichtungslager Treblinka.

Man liest den Brief, blickt hinunter zu den Fußnoten und sieht in ein Massengrab. Ich kann in diesem Buch immer nur eine Stunde lesen. Dann muss ich weg aus dem Generalgouvernement Polen und aus den Jahren 1941 bis 1945. Der 9. Band der großen Quellenedition zur Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden dokumentiert das Geschehen im Generalgouvernement. Das Warschauer Ghetto, Treblinka, Hans Frank und Heinrich Himmler. Auch Texte aus dem von Emanuel Ringelblum 1942 und 1943 vergrabenen Archiv mit Dokumenten aus dem Getto. Die 25 000 Seiten des Oneg Schabbat (Freude am Sabbat)  gehören seit 1999 zum Unesco-Weltkulturerbe.

Lesen oder hören Sie doch weiter.

Erhalten Sie unbegrenzten Zugang zu allen B+ Artikeln der Berliner Zeitung inkl. Audio.

1 Monat kostenlos.

Danach 9,99 € im Monatsabo.

Jederzeit im Testzeitraum kündbar.

1 Monat kostenlos testen

Sie haben bereits ein Abo? Melden Sie sich an.

Doch lieber Print? Hier geht’s zum Abo Shop.