Eine deutsche Expedition hatte sich aufgemacht, Afrika von der westafrikanischen Loango-Küste bis zum indischen Ozean zu durchqueren. Sie scheiterte. Das Kommandosystem brach zusammen. Nicht an der gegen die Gewalt sich organisierenden Gegengewalt, sondern an Tropenkrankheiten, an den einheimischen Trägern, die ihren Herren davonliefen. Einen einzigen, freilich weltweit bewunderten, Erfolg hatte das Unternehmen: Master Pongo. Ein junger Gorilla. Die Expedition hatte ihn nicht selbst gefunden. Er war ihr geschenkt worden. Von einem Patienten des Expeditionsarztes. Der verliebte sich in den kleinen Kerl und kümmerte sich um ihn. Es war bis dahin noch nie geglückt, einen lebenden Gorilla nach Europa zu bringen. Kein Wunder, dass die Mythenproduktion um den Waldmenschen blühte. 1859 hatte zum Beispiel der französische Bildhauer Emmanuel Frémiet eine einen riesigen Skandal auslösende Figurengruppe geschaffen, deren Nachwirkungen weit in das 20. Jahrhundert reichen: Ein Gorilla entführt eine weiße Frau. Das King-Kong-Motiv. 1859 war auch das Jahr, in dem Charles Darwin „Über die Entstehung der Arten“ veröffentlichte. Ein Buch, in dem der Gorilla nicht vorkommt, das aber seine Nähe zu unserer eigenen Spezies evolutionsgeschichtlich plausibel macht.

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