Pascal Mercier, der Autor des Bestsellers „Nachtzug nach Lissabon“, kennt sich aus mit dem Stoff, aus dem die Filme gemacht sind. Unter seinem richtigen Namen Peter Bieri promovierte der Schweizer in Philosophie über das Verhältnis von „Zeit und Zeiterfahrung“. Wie beiläufig er seinen Romanhelden, den Lateinlehrer Raimund Gregorius, gleich zu Beginn seines Werks als Cinephilen charakterisiert – das verrät den Kinokenner. Selbst an jenem schicksalhaften Abend, an dem Raimund seinem Leben den entscheidenden Stoß in eine andere Richtung geben wird, lässt er sich um ein Haar ins Kino locken. Nur schwer kann er sich losreißen vom Plakat eines alten Films mit Jean Gabin; der Beschreibung nach ist es wohl „Die Katze“.

Auch wir gäben der Simenon-Verfilmung gern den Vorzug vor Bille Augusts Kinoadaption von „Nachtzug durch Lissabon“. Denn Bille August hetzt so lustlos durch das Buch, als hieße dies „Billigflieger nach Lissabon“. Dabei kann man doch gar nichts falsch machen bei einem Buch von so präziser Bildhaftigkeit. In Raimunds Lebensfilm verschieben sich beim Lesen förmlich die Hintergrundprospekte vor unseren Augen: Die rätselhafte Begegnung mit einer Portugiesin und der Fund eines philosophischen Erinnerungsbuchs in deren Sprache lässt ihn seine frühere Existenz in Frage stellen. Der Altphilologe wird zu einem Lebensforscher: Von der Begegnung mit der Schwester des Autors führt der Weg in die dunkle Vergangenheit der faschistischen Diktatur. Auch diese Spurensuche ist ideales Kinomaterial. Spur um Spur verdichtet sich das Bild. Doch keine Figur wirkt in Bille Augusts Film plastisch oder gar lebendig.

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