"Berlin braucht Musik!" Ein Ensemble des Deutschen Symphonie-Orchesters (DSO) an der East Side Gallery auf der Spree.
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BerlinIrgendwie muss die Musik wieder in die Welt, die Musiker müssen wieder zu ihren Hörern, und zwar live und lebendig. Nur wie? Das Deutsche Symphonie-Orchester war am Wochenende in Berlin unterwegs, zu Wasser, zu Land und in der Luft. Mit einem offenen Doppeldecker wurden öffentliche Plätze und soziale Einrichtungen angefahren und vom Heißluftballon aus gespielt, am Sonntag wurde von der Rummelsburger Bucht bis zur Museumsinsel und zum Regierungsviertel die Spree beschallt. Das Ganze soll Spenden für den Nothilfefonds der Deutschen Orchesterstiftung und den Solidaritätsfonds für freie Bühnen einwerben, aber auch sagen: Wir sind noch da!

Denn wann und wie in Berlin wieder etwas tönt, ist ungewiss, die Philharmoniker beantworten auf ihrer Website Fragen nach der kommenden Saison mit zweckoptimistischer Ratlosigkeit. In Nordrhein-Westfalen dagegen prescht man, getreu dem Programm des Landesherrn Armin Laschet, vor: Dortmund eröffnet am Sonntag das Konzerthaus, auch in Düsseldorf, Essen und Köln arbeitet man an Plänen zum kalkulierten Risiko. Natürlich wird nur jeder vierte Platz besetzt, Einlass und Foyer sind so gestaltet, dass man sich nicht zu nahe kommt, es gibt weder Gastronomie noch Pause und Garderobe. Und wer tritt dort im Westen auf? Berliner Künstler! Die in Berlin lebenden Isabelle Faust und Alexander Melnikov spielen zwei Tage später in Düsseldorf Violinsonaten von Mozart. Das Konzerthausorchester gibt in Dortmund sein erstes Konzert seit dem Lockdown – und das einzige seiner geplanten Deutschlandtournee. Statt des betagten und entsprechend gefährdeten Chefdirigenten Christoph Eschenbach dirigiert allerdings die 33-jährige und zudem schwangere Dortmunder „Exklusivkünstlerin“ Mirga Gražinytė-Tyla: Sie ist von ihrer Corona-Infektion bereits wieder genesen.