Bekanntlich wird ja viel geforscht, da kommt im Laufe der Zeit immer einiges zusammen. Wie zum Beispiel in einer gemeinsamen Studie der Universitäten von Zürich und West-Australien, in der sich Psychologen eingehender mit den sogenannten Klimawandelleugnern beschäftigen. Man wollte herausfinden, was diese Menschen umtreibt: Warum leugnen sie etwas, das von der überwältigende Mehrheit der Klimaforscher jeden Tag aufs Neue bestätigt wird, nämlich dass wir Menschen mit unseren Kohlendioxidemissionen erheblich zu einer Beschleunigung des Klimawandels beitragen?

Empirische Grundlage der Studie ist ein elektronischer Fragebogen, eine Umfrage im Internet, nicht unbedingt repräsentativ, aber interessant. Denn das Ergebnis lautet: Dass es sich beim Klimawandel um ein menschengemachtes oder von Menschen mitverursachtes Phänomen handelt, bezweifeln vor allem die Anhänger von Verschwörungstheorien – sie bejahen zum Beispiel die im Fragebogen angebotene These, die Mondlandung sei ein Fake der Nasa gewesen – sowie die Anhänger des freien Marktes: Diese verneinen auch den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs. Für beide Gruppen ist der Klimawandel nur eine Erfindung von Wissenschaftlern, um an Steuergelder zu kommen.

Die spannende Frage ist nun, ob Verschwörungstheorie und Marktwirtschaft etwas miteinander zu tun haben. Leider gibt die Studie darauf keine Antwort, sondern stellt nur fest, dass eine solche „Koinzidenz“ schon häufiger aufgefallen sei. Doch vielleicht hilft eine Studie der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg. Dort, am Lehrstuhl für Unternehmensführung, wurde nämlich herausgefunden: Je narzisstischer ein Vorstandschef ist, desto höher ist seine Bereitschaft, in seinem Unternehmen neue Technologien einzuführen, insbesondere, wenn diese Innovationen von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden; dabei erweise sich der Narzissmus als durchaus erfolgreiche Unternehmensstrategie.

Wenn sich der Verschwörungstheoretiker in seinem eigenen Wahngebilde einkapselt, dann ist das eine Form übertriebener Selbstbezüglichkeit, die nichts neben sich duldet, also Narzissmus. Betriebswirtschaftlich gesprochen: Die Mitmenschen in narzisstisch-paranoischer Manier als einen einzigen Haufen, ja als Verschwörung von absoluten Nichtskönnern und Faulpelzen zu sehen, ist nicht nur chefig, sondern offenbart den wahnhaften Glutkern unternehmerischen Handelns allgemein. Und rettet unser Klima nicht. Unglaublich, was die Wissenschaft alles feststellt.