Rapstar Nas bei einem Auftritt (undatierte Aufnahme).
Foto: Label Mass Appeal/Gabriel Zardes

Etwas, was Nas in seiner Musikkarriere verfolgt, ist die Tatsache, dass er als Rapper noch nie einen Grammy Award gewonnen hat. Das ist verwunderlich, wenn man bedenkt, dass sein Debütalbum „Illmatic“ von 1994 zu den Meisterwerken des amerikanischen HipHops zählt und Hits wie „If I Ruled the World (Imagine That)“ und „One Mic“ auf sämtlichen Best-of-Rap-Samplern zu finden sind. Trotzdem hat es immer jemanden gegeben, der innovativer, kreativer oder näher am Puls der Zeit war.

Tragisch mag dies aber vor allem für Nas sein. Denn für Fans ist er zu einer verlässlichen Quelle geworden, wenn es um gute Rapmusik aus den 90er- oder frühen Nullerjahren geht. Sieht man von seinem Reggae-Ausflug mit Damian Marley im Jahr 2010 – und den ewigen Streitereien mit Jay-Z – mal ab, bedient sich der Rapper seit 26 Jahren gesellschaftskritischer Verse, besinnt sich auf eine höhere Macht und natürlich auf schöne, satte Beats. Klar, dass so die Freude in den sozialen Medien groß war, als der 46-jährige Rapper vor einer Woche sein neues Album „King’s Disease“ ankündigte – und ohne Tamtam in der Nacht zum Freitag veröffentlichte.

Anderson .Paak und The Firm sind auf „King’s Disease“ zu hören

Die 13 Lieder, die Nas auf seinem neuen Werk versammelt, widmen sich der schwarzen Kultur und sind inspiriert von der Black-Lives-Matter-Bewegung. Tatsächlich klingt es jedoch so, als widme sich Nas vor allem dem Ruhm von schwarzen Stars und den damit verbundenen Kehrseiten. Das wird in Stücken wie dem Rocky-Song „10 Points“ deutlich, wenn der Rapper darüber sinniert, dass er niemandem mehr trauen kann und an schwarzen Rappern Klischees haften bleiben. Oder in dem synthielastigen Stück „Definition“, in dem er klarstellt, dass man trotz eines prominenten Status aufgrund seiner Hautfarbe nicht fair behandelt wird.

Die Höhepunkte finden sich abseits der Konzept-Momente, etwa in dem nostalgischen Lied „Full Cirlce“, auf dem Nas mit seiner 90er-Rap-Combo The Firm über die Vergangenheit sinniert – oder in dem poppigen Stück „All Bad“ mit Anderson .Paak. Während Nas darin über eine zerbrochene Beziehung rappt, singt Anderson im Refrain immer und immer wieder: „It was all good ’til she went bad“ (zu Deutsch: Es war alles gut, bis sie böse wurde). Das geht so gut ins Ohr, dass man es nur schwer wieder herauskriegt. Nicht mal die schwarze Hommage „Ultra Black“, ein gemeinsames Stück mit Produzent Hit-Boy, klingt so lange nach. Ob das Nas großen Ruhm einbringen wird? 

Den großen Wurf bringt er mit dem Album„King’s Disease“ jedenfalls nicht. Der Rapper bleibt wie eh und je an seinen Parametern haften. Für Fans ist dies nicht weiter tragisch, die Platte läuft gut durch. Für Nas könnte es jedoch ein erneutes Gerede um den ewigen, nicht erhaltenen Grammy geben.

Nas – „King’s Disease“ (Mass Appeal)