Natalia Wörner, 53, würde sich über mehr Frauen in der Politik freuen und hat bei der Gelegenheit – einem Gespräch mit der Illustrierten Bunte – den Sexismus in der Herren-Partei von Christian Lindner entdeckt, gemeint ist die FDP. Ganz allgemein findet die Schauspielerin, dass insbesondere „mehr Mütter in die Entscheider-Gremien kommen“ und also auch der Politikbetrieb irgendwie weiblicher werden müsste, im Besonderen aber bedauert sie, dass Linda Teuteberg nicht mehr FDP-Generalsekretärin ist: „Die FDP ist nicht gerade meine Lieblingspartei, aber Linda Teuteberg ist eine kluge und kompetente Frau und dann muss sie sich hinterher noch dumme Herrenwitze anhören. Diese Form von Sexismus á la Christian Lindner ist inakzeptabel, wir leben im Jahr 2020 und das fordert andere Haltungen von allen.“ Paff!

An anderer Stelle entdeckt Wörner die unheimlichen Seiten des Internets. Jetzt. Erst. Im Jahre 2020. Egal, es ist nie zu spät und die Sache ja auch kompliziert. Wörner sorgt sich um den sorglosen Umgang der deutschen Gesellschaft mit Daten im Internet. Und dabei bezieht sie ihr eigenes Verhalten ausdrücklich mit ein, wie sie der Deutschen Presse-Agentur verriet: „Ich mache genau das Gleiche. Ich kaufe auch online ein, in diesem Jahr mehr denn je.“ Auf diese Weise hinterlasse sie – mehr denn je – überall eine Datenspur, ein stetig anwachsendes Bündel von Informationen über ihr Online-Verhalten. Die personenbezogene Werbung, die sie daraufhin bekomme, findet sie „spooky“, also gruselig.

Damit hat Wörner vollkommen recht, gruselig ist gar kein Ausdruck! Ganz grundsätzlich ist die Massenüberwachung im Internet durch kommerzielle Datensammler und -verwerter ein großes Problem. Unser leichtfertiger, sorgloser, allzu großzügiger Umgang mit den eigenen Daten tut ein Übriges. Und dass wir in der Corona-Pandemie eher – mehr denn je – zu Hause bleiben und unsere Daseinsvorsorge zunehmend übers Internet organisieren, macht die Sache auch nicht besser … Aber Halt, man kann die personenbezogene Werbung nicht nur „spooky“ finden, schließlich nehmen uns die zurückgespielten „Produktempfehlungen“ ja die langwierige Suche nach dem ab, was wir insgeheim wollen.

Datenschutz im Netz ist ein „brennendes Thema“

Die Algorithmen der Suchmaschinen und Datenkonzerne wissen längst mehr über unsere geheimsten Begehrlichkeiten als wir selbst. Und das ist nicht nur gruselig, sondern erleichtert das Leben ungemein, umgarnt uns mit ungeahnter Fürsorge. Das kann man wollen. Und so stehen sich Bequemlichkeitsgewinne und Datenschutz einigermaßen unversöhnt gegenüber. Ein Widerspruch, über den Wörner vielleicht auch noch mal nachdenken könnte? Ihr Freund, Außenminister Heiko Maas, 54, hat in seiner Zeit als Justizminister ja in dieser Richtung einiges versucht. Wenngleich sein verunglücktes Netzwerkdurchsetzungsgesetz auch die Grenzen staatlicher Regulierung zeigte … Schwamm drüber.

Ansonsten ist Wörner natürlich zuzustimmen, dass Datenschutz im Netz ein „brennendes Thema“ ist, mit dem sich die Menschen zu wenig auseinandersetzen. „Das Internet ist wie ein Glaskasten, den wir akzeptieren und ständig mit Daten füttern.“ Ja, aber was folgt daraus? Die Anzeige eines Problems kann ja nicht nur dazu dienen, ein möglicherweise schlechtes Gewissen zu beruhigen.

Ute Lemper, 57, bekundet ebenfalls ein Gruselgefühl. Die seit langem in New York lebende deutsche Schauspielerin und Sängerin sieht unabhängig vom Wahlausgang in den USA eine politische Wirklichkeit, bei der ihr angst und bange wird. Dem Bayerischen Rundfunk sagte sie am Mittwoch: „Es ist unfassbar, die Realität dieses gespaltenen Landes hier zu erleben.“ Denn sobald man aus New York herausfahre, gerate man in die Gegenden der Trump-Wähler, in die Nachbarschaften, in der national oder patriotisch gesinnte – oder Lemper aus sonst welchen Gründen befremdende, verängstigende – Menschen die amerikanische Flagge vor den Häusern hängen haben. Flaggen der Angst.

Sängerin Ute Lemper über ihre amerikanische Wahlheimat; „Uns ist sehr mulmig.“ 
Foto: dpa/Jörg Carstensen

Und so ist Lemper nicht nur wegen der „vielen furchtbaren Dinge, die Trump angerichtet hat“, beunruhigt, sondern wegen des tiefroten, republikanischen, bisweilen rassistischen und militanten Hinterlands der USA: „Uns ist sehr mulmig.“