Nationalgalerie: Ehepaar Pietsch schenkt Berlin seine Kunstsammlung

Berlin - Darauf einen Prosecco, denn nun ist  es endgültig.  Für die Gebenden wie die Nehmenden.  Das Mäzenaten-Paar Ulla und Heiner Pietzsch setzten Mittwochabend in der Villa van der Heydt, Sitz des Präsidenten der Preußenstiftung Hermann Parzinger, die ultimativen Unterschriften unter den Schenkungsvertrag von 2010.

Ihre mindestens 120 Millionen Euro werte Kunstsammlung der Klassischen Moderne, mit Spitzenwerken des Surrealismus und des Abstrakten Expressionismus – etwa von Jackson Pollock–  gehört nunmehr Berlin und geht ein in die Nationalgalerie.  Nicht zuletzt schließen sich damit Lücken, die die NS-Aktion „Entartete Kunst“ und der Krieg gerissen hatten, denn es handelt sich um Werke  unter anderem von Max Ernst, René Magritte, Joan Miró, Salvador Dalí, auch Frida Kahlo und Diego Rivera.

Ein "Glücksmoment"

Die Gabe bildet demnächst einen Basis-Schatz des künftigen Museums der Moderne am Kulturforum, die, so die Juryentscheidung, die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron   bauen werden. Ein langer Weg mit so manchem Stein liege hinter diesem  freudigen Abend, sagt der betagte Sammler. Nun aber seien alle Vorbehalte ausgeräumt, „alle Zweifel und das Zögern“.

„Die Surrealisten gehören nach Berlin“, betont launig seine Gattin, denn diese Kunst zwischen Traum und Realität sei  die „Überwirklichkeit“. Eine sichtlich entspannte Kulturstaatsministerin Monika Grütters zitiert als Parabel auf die Großmut des Paares, aber auch auf jene Kritiker, die  diese Schenkung mit fataler Abhängigkeit von Privatsammlern verbinden, einen Ausspruch Winston Churchills: „Wir bestreiten unseren Lebensunterhalt mit dem, was wir bekommen, und wir leben von dem, was wir geben.“

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller spricht von einem „Glücksmoment“, davon, dass sich Berlin  diese Werke hätte nie  leisten können, der Anspruch der Schenkenden  – die Sammlung im gehörigen Rahmen auch öffentlich zu zeigen – also durchaus zu akzeptieren sei.