Berlin - Was sollte Berlin versagt bleiben, was Dresden, die Geburtsstadt von Deutschlands berühmtesten lebenden Maler, längst hat: ein Konvolut von Meisterwerken Gerhard Richters, das auch im gebührenden musealen Raum präsentiert wird und als Besuchermagnet wirkt. Im Falle der Elbestadt ist es das Albertinum an der Brühlschen Terrasse.

Und in der Hauptstadt sollen künftige Richter-Säle der vorerst als Modell existierenden, von Herzog & de Meuron entworfenen Galerie der Moderne am Kulturforum zum Wallfahrtsort der Kunst werden.

Der 87-jährige, in Köln lebende und als stilistisch wandelbarster Maler der Welt gefeierte Richter, dessen Bilder heute zu den teuersten überhaupt zählen, hat am Donnerstag Kulturstaatsministerin Monika Grütters eine Zusage gegeben. Er wird der Nationalgalerie und damit den Staatlichen Museen zu Berlin, Werke überlassen. Einzelheiten der Vereinbarung, die Grütters mit einer – wie es heißt – Charmeoffensive beim Ehepaar Richter erzielt hat, sind nicht bekannt.

Gerhard Richter hatte 2015 empört auf das Grütters’sche Kulturgutschutzgesetz reagiert

Das ist umso erstaunlicher, als Gerhard Richter 2015 empört auf das Grütters’sche Kulturgutschutzgesetz reagiert hatte. Niemand habe das Recht, ihm vorzuschreiben, wohin er seine Bilder verkaufe oder gebe, grantelte er damals. Und: Ohnehin gäbe es viel zu viel Kunst in Museen und ständig müssten neue Räume gefüllt werden. Ein ehrenvolles Angebot der Stadt Köln, dem zufolge am Rhein ein Gerhard-Richter-Museum hätte entstehen können, lehnte der Maler dankend ab und düpierte damit seine Rheinischen Fans. Und schon glaubte man, er sei ein echter Gegner des Kultes um seine Person.

Aber Berlin und insbesondere die Nationalgalerie scheinen für ihn eine ganz andere Museumsliga darzustellen. Die Staatlichen Museen – Nationalgalerie und Kupferstichkabinett – bieten bereits elf Meisterwerke Richters aus allen Schaffensphasen auf, eine dauerhafte Erweiterung des attraktiven Bestandes in der zukünftigen Galerie der Moderne ist somit logisch. Nationalgalerie-Direktor Udo Kittelmann konnte bereits vor einem Jahr mit der Zusage Richters für ein gewisses Konvolut rechnen, in Zukunft werden sie in prominenten Räumen des neuen Ausstellungshauses präsentiert. Bei den Bau- und Raumplanungen der Architekten und der Staatlichen Museen spielt dieser Fakt daher längst eine wichtige Rolle.

Die Vorsitzende des Stiftungsrates der Preußen-Stiftung, Monika Grütters, näht an die subtilen Verhandlungen nun den Knopf an. Gerhard Richters Zusage ist nicht zuletzt ein unschlagbares Argument, Aufwand, Nutzen und Kosten des Museumsbaus im Bundestag zu rechtfertigen. 200 Millionen Euro hat der Haushaltsauschuss 2014 bewilligt. Inzwischen aber ist längst von sehr viel mehr die Rede.