Neil Young 2019 bei einem Konzert im Hyde-Park.
Foto: Imago

New YorkDer kanadisch-amerikanische Musiker Neil Young gilt für viele als einer der sympathischsten Sturköpfe des Pop. Als die Besucher eines seiner Konzerte einmal ungeduldig nach den großen Hits wie „Heart Of Gold“ und anderen gediegenen Country-Rock-Klassikern verlangten, er aber fest entschlossen war, ein neues Album vorzustellen, wiederholte er schließlich als trotzige Zugabe die neuen Songs gleich noch einmal und ließ die alten weg.

Diese Art Eigensinn, aber eben auch eine große Portion widerständiges Selbstbewusstsein bekommt nun auch US-Präsident Donald Trump zu spüren. Weil dieser bei seinem Wahlkampfauftritt im Juni in Tulsa Neil Youngs „Rockin’ In The Free World“ und „Devil’s Sidewalk“ zur Anheizung der Stimmung eingespielt hatte, beharrte Young zunächst auf der Forderung, dergleichen in Zukunft zu lassen. Er befand sich damit in der Gesellschaft von Popstars wie den Rolling Stones, Adele, Elton John und Ozzy Osbourne, bei denen sich das Trump-Team ebenfalls ungefragt bedient hatte. Nachdem Trump bei einer Veranstaltung vor dem Politiker-Monument Mount Rushmore einige seiner Lieder verwandt hatte, schrieb Young in einem offenen Brief, er stehe auf der Seite der Indianer (die den Mount Rushmore für sich reklamieren) und arbeite dafür, dass Trump im November 2020 abgewählt wird.

Bei Trump höre die Offenheit für Widersprüche auf

Nun ist der 1945 in Toronto geborene Musiker einen Schritt weiter gegangen und ist gegen den Präsidenten vor Gericht gezogen. In einer Klage wegen Urheberrechtsverletzung schreibt Young unter anderem, er könne es nicht erlauben, dass seine Musik als „Titelsong für eine spalterische, un-amerikanische Kampagne von Ignoranz und Hass“ benutzt werde. Neil Young veröffentlichte die Klageschrift auf seiner Webseite „Neil Young Archives“. Sein Anwalt bestätigte der Nachrichtenseite The Hill, dass die Klage bei einem Bezirksgericht in New York eingereicht wurde.

Neil Young spielt „Rainbow of Colors“.

Quelle: YouTube

Der Songschreiber und Poet, der mühelos zwischen sanften Country-Klängen und harten Punk-Riffs abzuwechseln vermag, hat sich schon oft dezidiert politisch positioniert. Donald Trump bezeichnete er als Schande für die USA, und gegen dessen Ausgrenzungspolitik formulierte er zuletzt in dem Stück „Rainbow Of Colors“ eine Art integratives Gegenprogramm. Darin heißt es: „There’s a rainbow of colors / In the old USA / No one’s gonna whitewash / Those colors away“. Niemandem, so die Botschaft, werde es gelingen, die amerikanische Buntheit und Vielfalt weißzuwaschen.

Neil Young hat sich oft und vielfältig auch politisch engagiert. Seine Kritik am Pflanzenmittelhersteller Monsanto mündete in dem „Album The Monsanto Years“, zugleich aber hat er immer wieder auch über seine große Leidenschaft für benzinfressende alte Autos gesprochen. Bei einem wie Donald Trump hörte die Offenheit für Widersprüche nun aber auf.

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