Amanda Peet und Christian Slater spielen Betty und Dan Broderick.
Foto: Netflix

Seit dem Wochenende ist auf dem Streaming-Anbieter Netflix die zweite Staffel der True-Crime-Serie „Dirty John“ zusehen. Serienfans werden sich erinnern, dass es in der ersten Staffel um die wahre Geschichte des Trickbetrügers John Meehan (gespielt von Eric Bana) ging, der die erfolgreiche Geschäftsfrau Debra Newell (Connie Britton) verführte, manipulierte und letztlich betrog. Im Fokus stand dabei nicht nur die Geldgier des Betrügers, sondern die seelischen Qualen, die sein Opfer durchmachte.

Eine gewisse Neugier schlich sich also ein, als die zweite Staffel mit dem Zusatztitel „Betty Broderick“ auftauchte. Denn was hat Betty mit John zu tun? Wie dreht Macherin Alexandra Cunningham die Serie weiter? 

Ein kurzes Anspielen der Serie verrät, dass John gar keine Rolle mehr spielt - auch wenn er noch etwas irreführend im Serientitel auftaucht. Die zweite Staffel dreht sich einzig um das wahre Verbrechen der Betty Broderick, die in den späten Achtzigern ihren Mann Dan und dessen neue Frau tötete.

Die Serien-Produzentin Alexandra Cunningham setzt dafür die Schauspieler Amanda Peet und Christian Slater in ein klischeehaftes, opulentes Amerika der Achtzigerjahre - samt 80s-Soundtrack und Gucci-Roben: Reiche Frauen mit toupierten Haaren schlürfen am Strand in Kalifornien ihre Cocktails. Porsche fahrende Männer lassen sich beraten, wie man am schnellsten die alte Ehefrau für eine neue loswird. Und über all das hängen sie einen konservativen Schleier, mit dem sie versuchen, Unsittliches zu vertuschen. Denn eigentlich wollen hier alle beliebt sein. 

Amanda Peet überzeugt als Betty Broderick

Diese schöne Welt, in der auch Betty sich zu Hause fühlt, bröckelt jedoch schnell. Immer wieder wird in Rückblenden gezeigt, wie sie sich für ihre Familie aufopferte, wie die Familie Dan noch nie wichtig war, und wie sie sich über acht Folgen hinweg in entgegengesetzte Richtungen entwickeln. War Betty noch zu Beginn Dans Opfer, wird später Dan ihre Zielscheibe.

Cunningham zeichnet die Geschichte besonders gut und glaubwürdig nach, indem sie ihren Figuren viel Zeit für Emotionen und deren Wirkung gibt. Zwischen Geld, Liebe, Anerkennung und Betrug schweben die immer selben Fragen: Wer ist böse? Wer ist gut? Ist das hier alles echt?

Es dauert nicht lang, bis man sich als Zuschauer dasselbe fragt. Betty wird dabei fast zu einer Art Freundin, die man schnell versteht, später aber abschreckend findet. Das schauspielerische Talent von Amanda Peet kommt hier besonders zur Geltung. Wurde Betty auch stellenweise fiktional überzeichnet, lässt sich die Prominenz des Falls gut erschließen. Denn es geht nicht nur um Mord, sondern um eine gebrochene Frau. Das zeigt die zweite Staffel noch besser als die erste.

Dirty John 2  läuft auf Netflix